BusinessInterview

Anabel Ternès: „Raus aus dem Ferngesteuert-sein und rein in die Selbstbestimmtheit.“

Anabel Ternès von Hattburg ist eine der führenden Köpfe für digitale Zukunft – sozial engagierte Impact Unternehmerin, Zukunftsforscherin und Expertin für Nachhaltigkeit und Gesundheitsmanagement.

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Die promovierte Germanistin, BWLerin und Medienpädagogin leitet das Institut für Nachhaltigkeitsmanagement, hält eine Professur für Internationale BWL und ist Partnerin in der Zukunftsberatung HvH.

In ihren Gremientätigkeiten u. a. als Verwaltungsrätin des British Chamber of Commerce in Germany (BCCG), Vorständin des Bitkom Arbeitskreises 4.0 und Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung flexible Arbeitswelt gehören die Themen Life Science, Nachhaltigkeit und Zukunftsskills zu Anabels Alltag.

Die Autorin von mehr als 50 Büchern schreibt u. a. für Focus, t3n und Forbes.

Anabel Ternès: „Nachhaltigkeit, Gesundheitsmanagement und Zukunftsforschung bestimmen meine Arbeit als Unternehmerin, institutsleitende Professorin und Speakerin bzw. Autorin“

Mein Fokus liegt auf der Entwicklung von Strategien, Konzepten, der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und Expert:innen, sowie dem Aufbereiten von Inhalten für die Vermittlung zur Umsetzung und zur späteren Qualitätskontrolle.
Wir hatten das Glück, Anabel näher kennenzulernen und haben ihr einige spannende Fragen gestellt, die Sie exklusiv hier bei Mia Boss nachlesen können:
Anabel, beschreibe Dich bitte mit drei Worten: 
  • engagiert
  • strukturiert
  • kreativ
Welche festen Rituale oder Routinen im Leben hast Du? 

Normalerweise esse ich mindestens zwei Mahlzeiten täglich zusammen mit der Familie, bei der man zumindest eine davon zusammen kocht und mindestens einmal pro Tag genieße ich meine Zeit in der Natur und gehe spazieren, laufen oder wandern.

Erzähle uns von Deiner Arbeit und womit genau Du das Leben der Menschen bereicherst/besser machst!

Anabel Ternes: Ich entwickle und forsche an Möglichkeiten, wie Menschen wieder mehr zu sich und ihrem Lebensraum finden, sich dadurch gesünder ernähren, besser auf sich achten und ihre Potentiale besser entfalten.

Dazu führe ich Studien durch, interviewe Menschen zu ihren Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten, schreibe Berichte, Artikel und Bücher, spreche darüber in Diskussionen und als Speakerin.

Einen besonderen Schwerpunkt habe ich auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen gelegt. Dieses Thema habe ich in meinem kürzlich veröffentlichten Buch „Ferngesteuert?! Hin zur Digitalen Souveränität“ genauer beleuchtet.

Anhand von Beispielgeschichten erfahren die Leser:innen die Hintergründe für unsere Verhaltensweisen im digitalen Alltag. Das Buch soll zudem Lust darauf machen, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Wenn das was Du tust Deine Berufung ist, wie bist Du dazu gekommen?

Ich habe mich schon immer für Nachhaltigkeit und Gesundheit interessiert.

Ich wollte mal Ärztin werden und für die WHO arbeiten und dafür sorgen, dass alle Menschen sich von Beginn an gesund ernähren und dabei erfahren, wie wichtig es ist, eine gesunde Umwelt zu haben, um gesund zu bleiben.

Mich hat von kleinauf auch gestört, dass wir so viel Verpackung verwenden, die wir oft noch vor dem Gebrauch der Sache wegwerfen.

Ich habe als Kind überlegt, was passieren müsste, um all die Plastiktüten und Verpackungen zu vermeiden, als ich mit sechs Jahren am Strand von Norddeich-Mole Möwen sah, die essbare Reste zwischen Haufen von Plastikmüll suchten.

Magst Du uns Dein schönstes Erlebnis vorstellen? Was genau hat dich berührt und motiviert?

Anabel: Mich motiviert die Zusammenarbeit mit interdisziplinären Teams und vor allem die Verschiedenartigkeit der Menschen, die dafür sorgt, dass wir gemeinsam kreative, innovative und einfach großartige Ergebnisse entwickeln.

Anabel Ternès verrät uns ihre Business-Tipps und die Probleme in Bezug auf Nachhaltigkeit

Anabel Ternés Zukunftsforscherin

Welche Top 3 Tipps & Methoden bringen Dir echte Ergebnisse im Business-Alltag oder erleichtern Dir Deine Arbeit am meisten?

Anabel Ternes: Aufgaben sammle, ordne und liste ich zeitlich mit Doit auf. Ich mag Kalenderprogramme, die mehr können, als nur neue Events einzutragen.

Doit kann viel mehr. Events per Sprachsteuerung eintragen, mit anderen teilen und automatisch zusammen mit Zusatzinfos aus Emails erstellen – das sind Funktionen, die ein Kalenderprogramm interessant machen.

Die Standardkalender wie der iCal von Apple oder Microsoft stehen hier an erster Stelle, gefolgt von Programmen wie Zoho Calendar oder Teamup Calendar.

Die Verwaltung von Zuständigkeiten, Kontrolle von Projektabläufen und die Einhaltung von Terminen lässt sich mit einigen digitalen Tools transparent und mit wenigen Klicks managen.

Zugleich sind die Tools auch für Mitarbeiter:innen mit geringem Digital-Knowhow und für solche, die vom Home-Office aus oder in anderen Zeitzonen arbeiten, bedienungsfreundlich.

Zoho Projects, FACTRO, Asana und Smartsheet finde ich hierfür ebenso gut.

Ergänzend finde ich Orte wichtig, an denen Dokumente, Grafiken, Formulare und Präsentationen geteilt, gemeinsam bearbeitet, getauscht und geordnet werden können.

Das geht am besten mit Programmen wie Google Drive, die mehr können, als nur eine Dropbox wie OneDrive, MEGA, SugarSync oder SpiderOak.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Nachhaltigkeit ?

Nachhaltigkeit wird meist als Mode verstanden. Und zwar eine, die viel kostet und die man sich leisten können muss. Beides sehe ich als katastrophale Fehler an.

Vielmehr ist Nachhaltigkeit – langfristig gedacht – ein Erfolgsfaktor. Nur nachhaltiges Denken und Handeln sichert uns eine lebenswerte Zukunft für alle.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die stets Zunehmende Implementierung von Nachaltigkeit in vielen Unternehmen reicht allein nicht aus, wir müssen mehr unternehmen.

Auch wird Nachhaltigkeit meist nicht übergreifend gesehen, sondern nur in der Technik verortet. Dabei bedeutet Nachhaltigkeit in der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension einen hohen Wirkungsgrad nur, wenn es strategisch hoch aufgehängt ist, langfristig implementiert und von den Mitarbeiter:innen von Anfang an mitgetragen wird.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, um beruflich erfolgreich zu sein? 

Hartnäckigkeit, ein klares Ziel, Menschenkenntnis, Authentizität, Engagement, Durchhaltevermögen, eine Vision, Kreativität, Innovationsgeist, Achtsamkeit gegenüber sich und anderen, Teamgeist, Mut, und lebenslanger Wissensdurst.

Welche Person, Mentor oder welches Buch hat Dich in Deinem Leben am meisten beeinflusst? 

Michelle Obama, Dr. Albert Schweitzer, Paul Coelho und einige seiner Bücher, Rabindranath Tagore und ‚Das Zen des Bogenschießens‘.

Anabel Ternès über ihre Erfolge und Misserfolge

Anabel Ternés Nachhaltigkeit

Wie sieht Erfolg für Dich persönlich aus und was ist Dein Weg dorthin?

Erfolg besteht für mich aus verschiedenen Faktoren.

Persönlich ist Erfolg für mich, wenn ich am Ende des Tages das Gefühl habe, Neues dazugelernt zu haben und etwas erlebt bzw. gemacht zu haben, was mich weitergebracht und was mir Freude bereitet hat. 

Beruflich heißt Erfolg für mich, dass ich ein Projekt zum Ziel führe, ein Unternehmen groß mache und etwas Neues, Sinnvolles entwickle. Der Weg dahin ist für mich schon ein Teil des Erfolgs.

Was hilft Dir und wie motivierst Du Dich, um Deine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren?

Anabel Ternés: Mir tun Natur, Sport, Treffen mit Freunden und Familie, kreative und kulturelle Dinge gut.

Diese Mischung benötige ich, um immer wieder Kraft aufzutanken, mich mit anderen auszutauschen, neue Inspirationen zu finden und auf andere Ideen zu kommen.

Diese Pausen sind für mich wie ein Antriebsmotor, der mich immer näher an meine Ziele bringt. Um die Übersicht all meiner Ziele nicht zu verlieren, habe ich sie in kurze, mittelfristige und langfristige Ziele unterteilt.

So behalte ich den Überblick, verliere das große Ziel nie aus den Augen und verliere aber vor allem auch mich nicht auf der Strecke.

Was wird in den nächsten Jahren an Wichtigkeit gewinnen und was verlieren? 

Menschlichkeit wird wieder mehr an Wert gewinnen.

Das Getriebensein von höher/schneller/weiter wird an Wert verlieren, je mehr wir uns unserer Endlichkeit bewusst werden. Vor allem zu Zeiten von Corona, die vielen Menschen das Leben gekostet hat.

Digitalisierung wird weiter das Thema Nr. 1 bleiben, aber nicht vordergründig. Da geht es weiterhin um Nachhaltigkeit, Diversity, etc. Also Themen, die erst einmal nicht ganz zur Digitalisierung zusammenpassen wollen.

Aber genau das ist das Thema – der Mensch ist wieder auf der Suche nach sich selbst, denn er hat in den letzten Jahrzehnten über viele Krisen von Wertgebern viel an Orientierung und Vertrauen verloren. Nicht zuletzt auch in sich selbst.

Die mentale Gesundheit wird weiterhin im Mittelpunkt stehen, denn wer nicht an sich glaubt und sich von Angst zu Angst hangelt, dessen Begleiter wird die Krankheit bleiben.

Welche Herausforderung hast Du als Frau während Deiner Karriere erlebt?

Anabel Ternés: Das klassische Einreden, dass eine Schwangerschaft meiner Karriere ein Ende setzen würde, habe ich mehrfach gehört.

Bevor ich Mutter wurde, habe ich das aber nie ernst genommen.

„Das bekomme ich schon organisiert, keine Frage,“ sagte ich mir damals. Bis ich feststellen musste, das ein Leben mit Kind plötzlich eine enorme Lebensumstellung fordert ist und ich v. a. meine Prioritäten anders setzen muss.

Mich jedoch einzuschränken, das wollte ich nie. Viel zu oft bekomme ich Inspiration aus der Unterschiedlichkeit der Dinge, mit denen ich mich beschäftige.

Und zuletzt sehe ich dies als Synergie. Die Interdisziplinarität war mir immer eine große Hilfe bei neuen Herausforderungen, strategischen Entscheidungen und Konzepten, die verlangten, ganz unterschiedliche Interessen unter ein Dach zu bekommen.

Mir wurde manchmal gesagt, richtig erfolgreich würde ich nur werden, wenn ich mich allein auf eine Konzernkarriere fokussieren würde. Ansonsten würde das mit dem großen Erfolg nie klappen.

Dies kann ich heute mit gutem Gewissen nicht bestätigen und freue mich sehr, dass ich bisher immer meinen eigenen Weg gegangen bin.

Was macht in Deinen Augen eine starke Frau aus?

Das ist für mich eine Frau, die ihren Weg geht. Eine Frau, die ihre Träume lebt.

Die sich nicht um das Gerede von anderen schert, dennoch aber Werte lebt und sich nicht in einer Trotzhaltung aus dem Establishment herausgenommen hat.

Eine Frau, die weiß, wie sie in der Gesellschaft Kante zeigt, und das auf eine Weise, die die  Gesellschaft mitentwickelt. Eine Frau, die sich nicht drückt, sondern sich mitengagiert, dabei immer Frau bleibt, mit all dem, was Frausein ausmacht, ohne sich in eine Schablone pressen zu lassen – das macht für mich eine starke Frau aus.

Was ist Deine Vision?

Unternehmen, Verwaltung und Parteien, in denen A’s A’s einstellen, in denen Menschen mit Werten in die Führung gehen, die Lebenserfahrung mitbringen, ein breites Wissen aufweisen und kollaboratives Arbeiten können und mögen. 

Organisationen, in denen keine Angst vor Quereinsteigern besteht, in denen keine Quote mehr gebraucht wird.

Eine Welt, die lebenswert ist durch Artenvielfalt und Meinungsvielfalt, durch eine grüne Umwelt und gesundes Leben, durch Selbstbestimmung und Achtsamkeit.

Was ist Dein nächstes großes Ding? 

Mit einem Team aus großartigen Experten, die gleichzeitig wirklich liebenswerte Menschen sind, realisieren wir ein spannendes Projekt, bei dem wir die Behandlung von Patienten revolutionieren.

Mehr Infos dazu gibt es ganz bald.

Mit welchen Themen sollten sich die Leser derzeit befassen um sich persönlich weiterzuentwickeln? 

Vor allem mit sich selbst – die eigene Intuition wiederfinden, die eigenen Werte manifestieren, die eigenen Wünsche auf die eigenen Ziele hin konkretisieren. 

Raus aus dem Ferngesteuert-sein und rein in die Selbstbestimmtheit.

Dann mit Nachhaltigkeit und wie ich diese als Einzelperson fördern kann.

Zum Schluss: welchen Rat würdest Du unseren Leser:innen mit auf den Weg geben? 

Es gibt bei vielem ein Richtig und ein Falsch – nicht jedoch bei Deinem Lebensweg. Den solltest Du selbst finden. Und der darf auch Kurven haben. Er darf auch länger dauern. Er sollte Dir, ganz allein Dir gefallen, und Du solltest Dich darin wiederfinden.

Und wenn Du dies nicht tust, dann solltest Du Dir genug Zeit nehmen, um herauszufinden, was zu Deinem Potential, Deinen Wünschen und dem passt, was Dir Freude bereitet.

Eines Tages wirst Du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die Du immer tun wolltest. Tu sie jetzt.

Entweder oder Fragen: 
  • Hund oder Katze? Hund.
  • Meer oder Berge? Berge, und wenn es ginge: immer beides.
  • Steak oder Salat? Steak, und wenn es ginge: keines von beiden.
  • Kochen oder Liefern lassen? Definitiv kochen! Lauwarm in Wegwerfpackung ist für mich ein absolutes No-Go.
  • Kaffee oder Tee? Tee, und oft auch Espresso.
  • Netflix oder Prime? Prime. Wobei … ohne Netflix geht es dann doch nicht.
  • Sachbuch oder Roman? Sachbuch.
  • Anruf oder Text? Anruf! Auch, wenn ich unglaublich gern schreibe.
  • Wien oder New York? New York, aber dicht gefolgt von Wien.
  • Tablet/Smartphone oder Desktop Computer? Tablet/Smartphone! Das mobile Büro finde ich klasse.
  • Spa oder Fitness Studio? Fitness Studio, dicht gefolgt vom Spa. Ich finde, beides gehört zusammen.

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