Die Kraft der weiblichen Wut

Die Kraft der weiblichen WUT für sich nutzen, klingt doch erstmal unmöglich, oder? Ist es nicht besser, diese Wut mit Meditation und ganz viel Wuusah wegzuatmen? Oder sollten wir Frauen einfach brüllend durch die Gegend laufen? Wie macht Frau es denn nun richtig? Hierfür habe ich dir 5 Impulse mitgebracht, die deinen Blick auf Wut verändern werden.

Von Anfang an haben wir schon als kleines Mädchen gelernt, dass man die Wut lieber nicht herauslässt. „So etwas tut man nicht als Mädchen“, „Schau mal, wie die Leute jetzt herblicken“, „Geh in dein Zimmer und spinne dich aus“ – kennst du solche Sätze aus deiner Kindheit?

Der richtige Umgang mit dem Thema Wut fehlt in unserer Gesellschaft, denn weder in Erziehungsratgebern findet man richtige Tipps (ganz im Gegenteil leider) noch in der Schule hat diese Emotion ihren Platz.

Wenn wir gesellschaftlich das Thema betrachten, dann ist es ein größeres Tabuthema als Sexualität oder Drogenkonsum.

Spürst du deine WUT?

Viele Frauen haben ihre Wut so lange unterdrückt, dass sie gar keinen Zugang mehr dazu haben. Hier erhalte ich oft die Antwort „Ich bin nie wütend“.

Dazu möchte ich dir zwei tiefgründige Fragen stellen:

Bist du oft traurig, wenn du eigentlich wütend bist?

Denn viele Frauen haben gelernt, dass eine Träne ihnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung bringt, aber ein kleiner Wutanfall zu Ablehnung und Inakzeptanz führt.

Also ist es oft leichter, zu sagen, dass ein bestimmtes Verhalten jemanden traurig gemacht hat, anstatt klar die eigenen Grenzen zu kommunizieren.

Doch ist genau hier der Fehler begraben, denn eigentlich ist man wütend, wenn Grenzen überschritten werden und sollte dieses Gefühl genau hier verteidigen.

Bist du stolz auf dich?

Ja genau – Stolz und Wut sind eng miteinander verbunden. Denn wenn ich auf mich, meine Leistung, meine Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie auf meine Wertevorstellung stolz bin, dann verteidige ich diese auch nach außen.

Frauen, die sehr angepasst und schon fast unscheinbar sind, haben oft keinen hohen Selbstwert, wenig Selbstliebe und können die Frage des Stolzes kaum beantworten.

Doch wenn man eine Mutter fragt, dann wird sie immer antworten, dass sie stolz auf ihre Kinder ist und diese auch wie eine Löwenmutter verteidigt. Es wird Zeit, dass wir auch stolz auf uns sind und lernen, UNS zu verteidigen.

Wie entsteht die WUT?

Zuerst einmal müssen wir uns ansehen, warum wir wütend werden. Oft liegt hier eine Verletzung unserer Werte, fehlende Wertschätzung oder Grenzüberschreitung vor.

Und genau hier ist es Zeit, nicht mehr länger alles in uns hineinzufressen – manchmal im wahrsten Sinn des Wortes – sondern den Mund aufzumachen.

Wenn wir uns ganz kurz ansehen, woher die Wut stammt, dann wird einiges klarer.

Vereinfacht gesagt wird hierbei das Urzeithirn getriggert und löst dann Adrenalin sowie andere mit der Wut zusammenhängende Hormone aus. Das Urzeithirn erkennt dann das Gegenüber als böses Mammut und geht auf Angriff.

Zum Glück töten wir in Wirklichkeit die Person dann nicht, aber es macht auch klar, warum hier oft der Drang hochkommt, den anderen sinnbildlich zu „erwürgen“.

Wie kann ich mit meiner WUT besser umgehen?

Wie mit Wut umgehen

Aber was sollen wir Frauen dann tun, wenn uns die Hutschnur reißt oder wir spüren, wie die Wut hochkocht? Was ist der richtige Weg?

Hier helfen dann auch keine Ratschläge oder Argumente, sondern am besten ein Bewegungsimpuls.

Aufstehen und herumlaufen, ein paar Schritte vor die Türe und frische Luft schnappen oder zur Not eben auch mal die Faust auf den Tisch zu schlagen, können hier Abhilfe leisten.

Und dann kommt der wichtigste Teil (!):  darüber nachdenken, warum man gerade so wütend wurde und dies dann auch kommunizieren.

Die Worte „Ich bin gerade wütend, weil…“ können hier bereits für eine große Erleichterung sorgen. Denn so kann das Umfeld dein Verhalten dann auch viel besser einschätzen.

Uns ist nämlich die WUT förmlich ins Gesicht geschrieben und besonders achtsame Personen können dann unsere Mimik und unser Verhalten viel besser deuten.

Warum fällt es uns Frauen so schwer, WUT zu zeigen?

Abgesehen von unserer frühkindlichen Erziehung, die in den seltensten Fällen Wutanfälle zugelassen hat, gibt es noch ein paar andere Faktoren.

In der Presse wird fast immer von der zerstörerischen Wut geschrieben. Begriffe wie Wut-Bürger, Wutanfall und ähnliches sowie die Einteilung in die Kategorie der negativen Gefühle sorgt im Unterbewusstsein für eine Kategorisierung.

Auch das Fehlen von Role-Models kann dazu beitragen, dass Frauen hierbei viel zurückhaltender sind. Hillary Clinton wurde im US-Wahlkampf sofort unterstellt, zu gefühlsbetont für das Präsidentenamt zu sein und daher nicht geeignet.

Nun wissen wir, dass Donald Trump diesen Wahlkampf gewonnen hat. An seinen roten Kopf und seine starken Gefühlsausbrüche können wir uns bestimmt noch gut erinnern.

Frauen, die in Meetings mal lauter werden, wirken oft inkompetent, hysterisch oder landen in der PMS-Falle.

Unter anderem sieht man Frauen deshalb in großen, wichtigen Meetings eher den Kaffee servieren oder das Protokoll führen, statt die Leitung eines Meetings zu führen.

Damit muss jetzt Schluss sein. Wir sind keine Alexa, Siri und Co., die nur Befehle und Wünsche entgegennehmen und ausführen. Wir sind kompetent, gebildet, wissbegierig, erfahren und wollen daher genauso ernst genommen werden, wie alle anderen.

Wie kann ich die Kraft der WUT für mich nutzen?

Hier ist ganz wichtig zu erwähnen, dass es hier um die klare, wache WUT geht und nicht um die zerstörerische, blinde WUT, die so oft in Medien zitiert wird.

Es geht um die kraftvolle Schubkraft, die dann durch unseren Körper strömt.

Wenn wir erkennen, dass dieses Gefühl wie eine Ampel funktioniert und wir schon bei orange reagieren sollten und nicht erst, wenn es auf Rot umschlägt, dann erkennen wir, wie kraftvoll diese Emotion ist.

Es wird Zeit, aufzustehen, wenn wir:

  • Ungerecht behandelt werden.
  • Nicht wahrgenommen oder ernst genommen werden.
  • Keine Dankbarkeit und Wertschätzung erhalten.
  • Zu etwas gedrängt werden, dass wir eigentlich nicht tun wollen.

Es wird Zeit NEIN und STOP zu sagen.

Und wenn wir dann bemerken, dass plötzlich unsere Grenzen wieder klar für Andere erkennbar sind und auch wir uns wieder unserer Werte und unseres Stolzes bewusst sind, dann hat die WUT uns die nötige Kraft gegeben.

Über die Verfasserin:

Anita Raidl

Anita Raidl ist Expertin für Schattenemotionen und unter dem Namen #dieWUTMACHERIN als Keynotespeakerin, Trainerin und Coach im DACH-Raum tätig.

Sie spricht im 1. WUT-Podcast über ihre Lieblingsemotion und hilft seit vielen Jahren sowohl Privatpersonen als auch Firmen, die Kraft der Emotionen zu nutzen.

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