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Geplante Obsoleszenz: Urban Myth oder doch nachweisbare Tatsache? 

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Die Existenz einer geplanten Obsoleszenz ist ein kontroverses Thema im Konsumbereich, das unterschiedliche Meinungen hervorruft. Einige betrachten sie als bloßen Mythos, während andere klare Beweise für ihre Existenz sehen. Die Debatte über die grundsätzliche Bewertung ihres Nutzens, sollte sie existieren, ist ebenso vielschichtig.

Wir stellen dir alle Aspekte dieses komplexen, aber überaus wichtigen Themas, ausführlich vor. 

Was bedeutet „geplante Obsoleszenz“ eigentlich? 

Die geplante Obsoleszenz bezeichnet die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch Hersteller, um den Verkauf neuer Produkte zu fördern. Dies geschieht durch den Einsatz minderwertiger Materialien, softwaregesteuerte Funktionsbegrenzungen oder die Schaffung neuer Modetrends. 

Argumente gegen die Existenz einer geplanten Obsoleszenz 

Argumente gegen die Existenz einer geplanten Obsoleszenz 
Adobe Stock / Kai Alves / 601535110 

Es gibt mehrere Argumente, die gegen die Existenz einer geplanten Obsoleszenz sprechen.

Ein zentrales Argument ist die natürliche Entwicklung und Innovation von Technologien und Materialien, die dazu führen kann, dass ältere Produkte im Vergleich veraltet erscheinen – ohne dass dies zwangsläufig auf eine absichtliche Verkürzung ihrer Lebensdauer zurückzuführen ist. 
 
Auch der Marktwettbewerb kann ein Anreiz für Unternehmen sein, qualitativ hochwertige und langlebige Produkte anzubieten, um Kunden zu gewinnen und sich langfristig am Markt zu halten. Unternehmen, die Produkte mit kurzer Lebensdauer herstellen, könnten ein hohes Risiko eingehen, Kundenvertrauen und damit ihren Ruf zu verlieren. 

Verbraucherpräferenzen könnten ebenfalls erklären, warum Produktlebenszyklen oft kurz sind

Wenn Verbraucher bereit sind, häufiger aktualisierte Versionen von Produkten zu kaufen, um von den neuesten Funktionen und Verbesserungen zu profitieren, könnte die verkürzte Lebensdauer ein Ergebnis ihrer Nachfrage sein. Somit könnte die geplante Obsoleszenz als Reaktion auf Marktdynamiken und Verbraucherpräferenzen entstehen, ohne dass die Unternehmen dies aktiv planen. 
 
Darüber hinaus bieten einige Unternehmen erweiterte Garantien und großzügige Rückgabepolitiken an.

Dies könnte darauf hinweisen, dass sie Vertrauen in die Langlebigkeit ihrer Produkte haben. Wenn Unternehmen wirklich darauf abzielen würden, die Lebensdauer ihrer Produkte zu verkürzen, wären sie möglicherweise restriktiver bei den Garantiebedingungen. 
 
Schließlich gibt es in einigen Ländern auch rechtliche Vorschriften gegen geplante Obsoleszenz. Unternehmen, die diese Praxis tatsächlich anwenden, müssen mit rechtlichen Konsequenzen und einem negativen Image konfrontiert werden.

Der öffentliche Druck für umweltfreundliche und nachhaltige Praktiken könnte Unternehmen ebenfalls dazu zwingen, die Lebensdauer ihrer Produkte zu verlängern. Allerdings gibt es auch Kritiker, die argumentieren, dass diese Gesetze und Richtlinien oft nicht ausreichend sind, um das Problem der geplanten Obsoleszenz vollständig zu lösen. 

Die rechtliche Lage 

In einigen Ländern, wie z. B. Frankreich, ist die geplante Obsoleszenz als Straftat verboten, während sie in anderen Ländern eine akzeptierte Praxis ist. Deutschland selbst zählt beispielsweise zu diesen Staaten.

In der Bundesrepublik existieren keine Sanktionen gegen diese Praxis. Es gibt allerdings zunehmend mehr Stimmen, die sich diesbezüglich für eine Änderung stark machen. Hierzu zählt beispielsweise der „Runde Tisch Reparatur“. 
 
Auf der Ebene der Europäischen Union existieren Kodizes und Vorschriften, die versuchen, Ressourcen zu schonen. Sie richten sich damit indirekt gegen eine geplante Obsoleszenz. Sie werden allerdings längst nicht immer beachtet. Neue Regelungen sollen zudem hinzukommen.

Global ist die geplante Obsoleszenz eher die Regel als die Ausnahme.

Gegen diese Unternehmen wurde wegen einer geplanten Obsoleszenz bereits ermittelt

Ein bekanntes Beispiel ist Apple, das 2017 und 2023 von der französischen Regierung wegen „geplanter Obsoleszenz“ seiner iPhones untersucht wurde.

Die Ermittlungen 2017 ergaben, dass Apple durch ein Update die Leistung älterer iPhones künstlich verlangsamt hatte, um den Verkauf neuerer Modelle zu fördern. Apple gestand ein, die Updates durchgeführt zu haben, bestreitet jedoch, dass dies zu einer Minderung der Lebensdauer der Geräte geführt hat.

2023 ging es um Seriennummern auf Ersatzteilen, die eine Reparatur in nicht lizensierten Shops unmöglich machen sollte. 

In Italien führte die Regierung im Jahr 2018 Ermittlungen sowohl gegen Samsung wie auch gegen Apple wegen vermuteter geplanter Obsoleszenz ihrer Smartphones durch. Die Behörden nahmen an, dass die Unternehmen Software-Updates bereitgestellt hatten, die die Leistung älterer Geräte beeinträchtigten und so die Nutzer dazu zwangen, neuere Modelle zu kaufen.

Diese Untersuchungen resultierten in Millionenstrafen gegen beide Konzerne, die durch die zuständige Kartellbehörde verhängt wurden. Apple musste zehn Millionen Euro zahlen. Samsung wurde dazu verpflichtet, fünf Millionen Euro zu überweisen. 

Die US-Behörde für Autobahnsicherheit (NHTSA) hat außerdem in der Vergangenheit eine Untersuchung gegen Tesla gestartet, weil der Verdacht bestand, dass der Elektro-Autobauer absichtlich die Elektronik einiger seiner Modelle ausfallen ließ. 

Argumente für die Existenz einer geplanten Obsoleszenz

argumente für die existenz einer geplanten Obsoleszenz
Adobe Stock / vladteodor / 107500164 

Die Befürworter der geplanten Obsoleszenz hingegen argumentieren, dass es zahlreiche Beweise für die Existenz dieses Phänomens gibt.

Beispiele für bewusstes Produktdesign, das zu einer künstlich kurzen Lebensdauer führt, sind die Verwendung von zu billigen Komponenten, ungeeigneten Materialien für die mittel- und langfristige Nutzung sowie die Verwendung von Technologien, die schnell veraltet sind.

Nach dieser Auffassung besteht der Zweck der geplanten Obsoleszenz darin, sicherzustellen, dass die Verbraucher ihre Produkte ständig ersetzen müssen, um so den Umsatz der Hersteller zu steigern. 

Von besonderer Bedeutung: Die Reparierbarkeit von Produkten

Ein Schlüsselfaktor in dieser Argumentation nimmt die Reparierbarkeit von Produkten ein. Der Vorwurf lautet: Viele Hersteller verwenden speziell entwickelte Bauteile und/oder Formen, die es schwierig bis unmöglich machen, defekte Teile selbst auszutauschen oder durch unabhängige Reparaturshops wechseln zu lassen.

Sie machen es zudem schwer, passende Ersatzteile zu finden. Dies soll dazu führen, dass Käufer gezwungen sind, das gesamte Produkt zu ersetzen, anstatt nur das defekte Bauteil zu reparieren. Stimmt dies, resultiert dies in mehr Elektroschrott und fördert eine Wegwerfkultur. 

Einige Firmen verwenden zudem ebenfalls angeblich digitale Sperren, um die Reparatur durch den Benutzer zu verhindern.

Beispielsweise sollen einige Drucker nur mit Original-Tintenpatronen des Herstellers arbeiten können. Wenn ein Benutzer eine alternative Patrone einsetzt, wird der Drucker demnach möglicherweise deaktiviert oder die Qualität der Drucke wird erheblich beeinträchtigt. 
 
Ein weiteres Beispiel, dass Befürworter der Existenz einer geplanten Obsoleszenz nennen, ist das Design von Smartphones, Tablets und moderner Laptops. Viele Hersteller nutzen demnach komplexe Schrauben oder andere Befestigungselemente, die nur schwer zu entfernen sind.

Dies erschwert es Reparaturdiensten oder Bastlern, defekte Teile oder Akkus zu ersetzen. 

Argumente für den Nutzen einer geplanten Obsoleszenz 

Es ergibt sich aus der Logik steigender Umsätze, dass eine geplante Obsoleszenz für die Hersteller positiv ist. Es existieren allerdings auch Hinweise darauf, dass sie ebenfalls der Wirtschaft insgesamt zugutekommt.

Wenn die Verbraucher ständig neue Produkte kaufen, hat das nutzbringende Konsequenzen für die die Wirtschaft: Die Nachfrage nach neuen Waren steigt und es entstehen neue Arbeitsplätze in der Produktion und im Einzelhandel. 

Argumente gegen den Nutzen einer geplanten Obsoleszenz 

Im Fokus der Kritik gegenüber der geplanten Obsoleszenz steht, dass die bewusste Gestaltung von Produkten mit einer begrenzten Lebensdauer als unethisch und unverantwortlich gilt. Denn sie trägt zur Umweltverschwendung bei und fördert eine Wegwerfkultur, was zu mehr Umweltverschmutzung sowie einer weiteren Belastung von wertvollen Ressourcen führt. 
 
Darüber hinaus wirkt sich die geplante Obsoleszenz auch wirtschaftlich auf die Verbraucher aus.

Sie müssen mehr Geld ausgeben, um Produkte zu ersetzen oder zu reparieren, anstatt das gleiche Gerät länger nutzen zu können. Die Schwierigkeit oder sogar Unmöglichkeit, Produkte zu reparieren, erhöht das Risiko des Elektroschrotts, da die Produkte nach kurzer Nutzungsdauer veraltet und nicht mehr erneuert werden können.

Die Arbeitsplätze, die in der Produktion und im Einzelhandel entstehen, verschwinden zudem bei unabhängigen Reparaturshops, die nicht länger im Geschäft bleiben können. 

Fazit: Die geplante Obsoleszenz existiert, aber die Debatte um ihren Nutzen oder Schaden ist komplex 

Die Erläuterungen zeigen, dass eine geplante Obsoleszenz existiert. Allein die Rechtsvorschriften und die Verfahren in der Vergangenheit beweisen dies bereits. Umstritten ist hingegen, wie weit diese verbreitet ist und ob sie von Nachteil ist.

Für Verbraucher, die Ressourcen der Erde und die Umwelt bedeutet dies fraglos ein Problem.

Anderseits hilft sie Herstellern und der Wirtschaft insgesamt. Die Frage ist, ob dies ausreicht, um ihre Existenz zu rechtfertigen oder ob nicht doch umfassende gesetzliche Schranken existieren sollten. Zumindest in Europa tendiert die EU wie gezeigt zu der zweiten Variante. 

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