Den inneren Schweinehund überwinden

Der innere Schweinehund ist für die meisten ein wahrer Störenfried. Nervig, diese personifizierte Willensschwäche! Manche schieben schon die kleinsten Aufgaben unendlich lange vor sich her, dank ihres Schweinehundes.

Wie soll dann erst die Umsetzung wichtiger Ziele klappen? Das muss nicht sein! Wie es auch ganz anders gehen kann, zeige ich dir in 5 Schritten.

Den inneren Schweinehund überwinden

Aber von vorne: Woher kommt eigentlich der Begriff Schweinehund?

Das Wort ist mindestens seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Es steht für sogenannte Sauhunde, die früher zur Wildschweinjagd eingesetzt wurden. Ihre Fähigkeiten zu Hetzen, Verfolgen und Ermüden wurden auf den Charakter besonders unangenehmer Menschen übertragen.

Heute ist das zu einer Redewendung geworden und beschreibt die Willensschwäche von Personen, die nicht ins Tun kommen (können).

Das Wort Schweinehund als Bild für innere Vermeidungsstrategien gibt es nur im Deutschen. Deshalb kann ich es nicht wörtlich ins Englische oder in andere Sprachen übersetzen.

Falls du also wissen möchtest, wie man es ausspricht und du das Internationale phonetische Alphabet kennst – voilá: [ˈʃvaɪ̯nəˌhʊnt].

Oft werden dafür auch Begriffe wie „Aufschieberitis“ (umgangssprachlich) oder „Prokrastination“ (vor allem in der Psychologie) verwendet. Das Aufschieben kann bei manchen sogar so heftig ausfallen, dass psychologische Beratung angezeigt ist.

Wie kannst du herausfinden, wie es um dich und deinen inneren Schweinehund steht?

Bei meinen Recherchen bin ich auf unterschiedliche Angebote zu diesem Thema gestoßen.

Am seriösesten ist für mich der Selbsttest der Uni Münster. Die Bearbeitung dauert keine halbe Stunde. Sofort nach dem Ausfüllen bekommst du eine Rückmeldung, wie es um deine Aufschieberitis steht.

Die gute Nachricht ist: Du bist damit nicht allein. Wusstest du eigentlich, dass 8 von 10 Deutschen unter ihrem Schweinehund leiden?

Diese Zahl geht aus einer repräsentativen Sinus-Studie hervor, die 2018 veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse machen nachdenklich:

👉 Acht von zehn Deutschen (82 Prozent) sollen demnach finanzielle, berufliche oder gesundheitliche Nachteile erleiden, weil sie wichtige Dinge auf die lange Bank schöben.

👉Fast die Hälfte der Befragten sei davon überzeugt, dass sie sich mit Sport wohler fühlen würden – wenn sie sich denn darum gekümmert hätten.

👉 Mehr als jede*r Dritte klage wegen ungesunder Ernährung sogar über körperliche Einschränkungen.

👉 In einer anderen Studie der Uni Münster gaben nur 2 % der Menschen an, niemals aufzuschieben.

Woher kommt die Redewendung „den inneren Schweinehund überwinden“?

Es ist wirklich erstaunlich, wie hartnäckig sich dieses Bild hält! Es kommt aus der Motivationspsychologie vor allem in den Bereichen Sport, Ernährung und Selbstoptimierung.

Dabei prägt diese Formulierung ein Bild von Kampf, Bezwingen und eben Überwinden – Du siegst und dein Schweinehund verliert.

Ich halte nichts davon, weil es dich nicht nachhaltig glücklich macht!

Was bedeutet es, den inneren Schweinehund zu überwinden?

Schweinehund überwinden - Kampf mit sich selbst

Kämpfen. Und zwar gegen dich selbst. Wenn du deinen Schweinehund besiegen willst, gehst du nicht wirklich liebevoll mit dir selbst um. Weil der innere Schweinehund ein Teil von dir ist!

Im Modell des inneren Teams des Hamburger Psychologen Schulz von Thun gehört der Schweinehund zu den vielen Facetten deiner Persönlichkeit – auch Persönlichkeitsanteile genannt.

Darunter gibt es liebenswerte und nicht so nette. Vermutlich hast du schon vom „inneren Kritiker“ gehört, oder von den „inneren Saboteuren“. Viele wissen auch schon um ihr „inneres Kind“.

Der innere Schweinehund befindet sich also in illustrer Gesellschaft…

Wenn du diese Anteile bekämpfst, niederringst oder gar komplett ignorierst, dann richtest du dich gegen dich selbst.

Das allerdings tun die inneren Saboteure sowieso schon – Du machst dich also nur noch mehr zur Verbündeten der Selbstsabotage! Das kann auch ganz anders gehen.

Doch bevor ich dir zeige, was du stattdessen tun kannst, lass‘ uns noch besser verstehen, wie der innere Schweinehund tickt.

Wann tritt der Schweinehund eigentlich auf den Plan?

Ganz einfach: Immer dann, wenn dir eine unangenehme Aufgabe oder eine größere Herausforderung bevorsteht. Oder etwas, das Ängste und Unsicherheit in dir auslöst.

Vielleicht willst du gerne ein ambitioniertes Ziel angehen, du kommst aber nicht so recht ins Tun. Zum Beispiel einen neuen Job suchen oder dich selbstständig machen oder du schiebst andere Dinge elendig lange vor dir her, bis es zu spät ist.

Es gibt viele Erscheinungsformen, in denen sich der Schweinehund so richtig in seinem Element fühlt.

Weil er eigentlich der Hüter über dein Wohlbefinden ist. Er schützt dich vor Stress und Unbehagen. Denn er will, dass du möglichst immer Spaß hast an deinem Leben, und dass es sich leicht für dich anfühlt.

Allerdings hilft dir das ausgerechnet dann nicht, wenn du Wichtiges anpacken und auch ins Tun kommen willst.

Wenn du ihm einen Maulkorb anlegst, kannst du nicht von seinen Stärken profitieren, die eigentlich in seinem positiven Anliegen stecken!

Was nun?

Auf du und du mit deinem inneren Schweinehund – werdet zum Dreamteam

Ich empfehle dir, Freundschaft mit deinem inneren Schweinehund zu schließen, also liebevoll mit dir selbst umzugehen. Dabei geht es eben nicht ums Bekämpfen, Bekriegen, Niederringen und Bezwingen – armer Schweinehund!

Weil sich das eines Tages rächt: Wer gewaltvoll unterdrückt wird, steht irgendwann wieder gegen dich auf.

Also gehe mit seiner Energie und nicht gegen sie. Setze auf Miteinander statt Gegeneinander. Denn jeder deiner vermeintlich negativen Persönlichkeitsanteile verfolgt eigentlich positive Ziele.

In deiner früheren Entwicklung waren sie wichtige Bodyguards mit dem Auftrag, dich vor Unfällen, Fehlern oder gar Strafen zu schützen.

Das Problem ist nur: Irgendwie haben die nicht mitgekriegt, dass du inzwischen erwachsen geworden bist und dich selbst schützen kannst.

Das Gleiche gilt für deinen Schweinehund.

Heute könnte er ein guter Berater sein, wenn es darum geht, auf deine Wellness und die Balance im Leben zu achten. Wenn du zum Beispiel im Hamsterrad steckst und nicht so recht wieder rausfindest. Dann frag‘ ihn.

Mich schickt er in solchen Situationen regelmäßig zum Ausruhen aufs Sofa mit Bügelfernsehen oder coolen Serien. Weil er mein Buddy geworden ist und ich auf ihn höre.

Hast du Lust, das mal auszuprobieren? Dann komm‘ mit:

5 Schritte für den Start einer wunderbaren Freundschaft – den inneren Schweinehund überwinden

Freundschaft mit dem innerem Schweinehund

Schritt 1: Hast du schon einen Namen für deinen inneren Schweinehund? Falls nicht, dann denke dir jetzt einen aus.

Dadurch kennt Ihr euch gleich schon ein klein wenig besser. Denn was einen Namen bekommt, wird zum Gefährten. Dadurch festigt sich die emotionale Bindung.

Der innere Schweinehund ist nicht mehr einfach nur ein lästiges Etwas. Mit einem Namen, der dir etwas bedeutet, ebnest du den Weg zur Freundschaft.

Der erste Schritt ist getan.

Schritt 2: Als Nächstes beobachte deinen inneren Schweinehund: Was nimmst du von ihm wahr? Was geschieht, wenn du ihn beim Namen rufst und mit ihm sprichst?

Schritt 3: Beobachte ihn nun noch genauer: Wie verhält sich dein Schweinehund? Zum Beispiel, wenn du dir vornimmst, endlich etwas zu tun, das du schon länger vor dir herschiebst.

Fällt dir dazu etwas Konkretes ein? Wolltest du ab jetzt täglich Sport machen? Oder mit dem Rauchen aufhören? Ausmisten? Aufräumen oder so was?

Dann achte mal darauf, was in deinem Kopf passiert, sobald du dich der Umsetzung näherst: Was genau denkst du? Was fühlst du dabei? Was tut oder sagt dein Schweinehund?

Schritt 4: Frage dich einmal: Was hält dich davon eigentlich ab, den ersten Schritt zu tun? 9 Tipps wie du den ersten Schritt finden kannst

Verhandele mit deinem inneren Schweinehund: Was braucht er, damit du einen Schritt vorangehen kannst. Wobei kannst du mitgehen? Was ist für dich ein No-Go?

Schritt 5: Vergiss‘ nicht: Bis eben wolltest du das Projekt noch unbedingt umsetzen. Ist das immer noch so?

Tu einmal so, als sei dein innerer Schweinehund dein*e beste*r Freund*in. Was würdest du raten, wenn sie dir von ihrem Konflikt berichtet („es müsste ja, aber ich will nicht so recht…“)?

Überlegt gemeinsam eine Win-win-Lösung, wo ihr beide auf eure Kosten kommen – dein Schweinehund und du.

Dann geh‘ dein Projekt an und beobachte dabei dich und deinen inneren Schweinehund ganz genau. Notiere dir wichtige Aha-Erlebnisse, Gedanken, Tricks und Erkenntnisse.

Und mein letzter Tipp für eure junge Freundschaft: Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn das nicht auf Anhieb klappt.

Gib‘ dir und deinem inneren Schweinehund die Chance, gemeinsam zu lernen. Dabei darf es auch mal ein bisschen holpern. Das gibt sich mit der Zeit.

Über die Verfasserin

Susanne Reuter

Ich bin Susanne Reuter.

Menschen kommen zu mir, um Veränderungen zu meistern, Unsicherheit abzulegen und Klarheit zu finden.

Meine „Schweinehund-Akademie“ steht für einen ressourcenorientierten, systemischen Ansatz. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Kraft der inneren Ressourcen zu entdecken und sie für die nächsten Schritte zu nutzen.

Seit über 20 Jahren bin ich als Coach, Moderatorin und Organisationsberaterin tätig. Als Coach durfte ich in der Zeit unzählig viele Menschen persönlich begleiten.

Ich glaube daran, dass Erfolg von innen kommt, also aus uns selbst. Nicht von außen. Die Lösung schlummert bereits irgendwo, sie muss nur aus dem Verborgenen ans Licht geholt werden.

Für mehr Klarheit, sichere Entscheidungen und nachhaltige Entwicklung. Das ist meine Mission – als Mensch und als Unternehmerin.

 

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