Business & Partnerschaft

Das Jahr 2018 war mein eigenes Jahr der Veränderungen. Ich gab meine feste Anstellung auf und wollte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Mit beiden Kindern ging ich ins Ausland und verbrachte 3 Monate in Moskau. In dieser Zeit wurde aus dem Wunsch nach Selbstständigkeit mehr. Erfahre, wie aus einer Partnerschaft auch ein gemeinsames Business wurde.

In unserer Nachbarschaft wurde ein großes Bauprojekt realisiert und mein Konzept des Yoga-Ayurveda Zentrums fügte sich wunderbar in die Vision des Architekten ein. Nach der Gründung der GmbH wurde erstmal sehr viel Zeit in Bauplanung und Realisierung der Flächen beansprucht.

Im Oktober 2019 eröffnete Intoku seine Türen zum ersten Mal. Zu dieser Zeit war ich fern davon entfernt, mit meinem Lebenspartner ein gemeinsames Business zu führen.

Lediglich eine Aufgabe stand im Raum – mein Partner, der als Software Developer zu der Zeit arbeitete – sollte mir dabei helfen die Website aufzusetzen und eine passende Software für mein Business Modell zu finden.

Website war da, aber beim System wurden wir nicht fündig. Kurzerhand entstand von ihm eine Lösung, und das Intoku funktionierte mit einem Hybridsystem.

Ein bestehendes Tool wurde mit eigenem System erweiterten. Es funktionierte und dies zu betreiben war ein Hobby für meinen Partner.

Als die Pandemie ausbrach und ich Intoku schließen musste, stand ich wieder am Anfang. Es war bis dato zu wenig Zeit vergangen, um Reserven aufzubauen und ganz zu schweigen weit entfernt, Intoku als solches in der Nachbarschaft zu etablieren.

Das ursprüngliche Business Model funktioniert nicht.

Yogalehrer wanderten in die Selbstständigkeit und boten die Kurse online an. Ich musste mich neu ausrichten. Die Situation evaluieren.

Durch die vorhandene Infrastruktur, die Erkenntnis, dass Therapeuten und Yogalehrer selbstständig arbeiten möchten, lag für mich auf der Hand, dass ein Angebot des Coworkings, sozusagen new work in der Gesundheitsbranche, die Lösung war.

Die Möglichkeit selbstständig und finanziell flexibel zu arbeiten sollte auch im tertiären Dienstleistungssektor Einzug finden.

Gemeinsam mit meinem Partner entwickelten wir von da das Buchungssystem weiter. Von März 2020 bis August 2020 wuchs das Tool mächtig an. Es bot so viele Funktionen an, dass wir uns entschieden es auch für andere zur Verfügung zu stellen.

Stamy Booking war geboren. Mein Partner gab die Vollzeitstelle auf und wir gründeten gemeinsam eine weitere GmbH.

Seit dem August 2020 sind wir offiziell Businesspartner und verfolgen gemeinsam die Vision ein All in One Tool für Selbstständige und Unternehmen mit einem fairen Preismodell anzubieten.

Was bedeutet dies nun, mit dem eigenen Lebenspartner ein Business aufzubauen und zusammenzuarbeiten?

Mit Lebenspartner Business aufbauen

Wie so oft heißt die Antwort auch auf diese Frage: «es kommt darauf an»!
Aber worauf den genau? Ich habe für dich 6 Themen zusammengefasst, die auf jeden Fall in die Überlegung hinein bezogen werden sollten.

Die Business-Idee

Brennt ihr gemeinsam für eine Idee? Überschneiden sich die Ziele und die Vision? Dann solltet ihr gemeinsam das Design Thinking für die gemeinsame Idee beginnen und vorantreiben.

Redet mit euren Stakeholdern, sammelt Feedback und evaluiert es.

Spätestens in diesem Prozess werdet ihr nicht nur erkennen, ob die Idee Potenzial hat und wirklich ein Problem löst, sondern ob auch die Zusammenarbeit und Koordination der Aufgaben funktionieren wird.

Finanzen

Lebt und wohnt ihr gemeinsam? Führt ihr ein Haushalt?

Definiert für euch gemeinsam, wie die finanzielle Sicherheit gewährleistet werden kann, wenn ihr beide eure Vollzeitstellen reduziert oder gar ganz aufgeben werden würdet, um an dem Projekt arbeiten zu können.

Dabei zählen nicht nur die Kosten, die euch entstehen, sondern die sog Opportunitätskosten – der entgangene Gewinn sozusagen. Denn dadurch, dass ihr nicht mehr einen festen Gehalt bezieht, entgeht euch eine Einnahme.

>> Du willst mehr über Finanzen in der Partnerschaft wissen? Erfahre 5 Tipps wie Finanzen in der Partnerschaft geregelt werden können<<

Stellt euch auf eine lange Durststrecke ein und macht eine Liquiditätsplanung für euren Haushalt. Denn dies ist ebenfalls unabdingbar und ist genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als der Finanzplan für das eigene Start-up.

Niemand wird euch diese Zeit direkt bezahlen. Der Mehrwert bietet das viele Lernen, Netzwerken und die Möglichkeit übergreifend in allen Bereichen eines Start-ups zu arbeiten. Die ist auf lange Sicht unbezahlbar.

Und sollte das Projekt langfristig erfolgreich durchstarten, habt ihr natürlich die Anteile.

Beachtet, dass die erste Finanzierungsphase nicht umsonst Friends, Family und Fools heisst, denn hier steckt das meiste Risiko! In erster Linie seid ihr zu Beginn, die eigentlichen Fools.

Die ersten, die ihr von eurer Idee überzeugen könnt, sind die Freunde und Familie, die ebenfalls euch und das Projekt finanziell unterstützen können.

Organisation

Wer von euch hat welche Stärken? Wer übernimmt welche Aufgaben und Verantwortung? Wollt ihr gemeinsam die Kunden ansprechen oder liegt die Kundenbindung bei einem bei euch?

Bei uns ist es sehr klar definiert. Während mein Partner die technische Umsetzung steuert und verantwortet, organisiere und führe die Administration durch. Gemeinsam überlegen wir uns Marketingkonzepte und feilen an der Businessstrategie.

Von Beginn an solltet ihr die Aufgaben und Verantwortung klar verteilen. Euch jedoch bewusst sein, dass ständiger Austausch und gegenseitiger Update unabdingbar ist.

Zusammenarbeit

Schon mal was von «Pair programming» gehört? Dies ist ein Begriff aus dem Bereich der Softwareentwicklung.

Um effizient zu sein wird zu zweit an einem Desktop gearbeitet. So machen wir dies auch. Ich programmiere zwar nicht, aber es ist sinnvoll gemeinsam die Entwicklung und neue Features anzuschauen, die mein Partner erarbeitet hat.

So spare ich mir Zeit und bekomme alles gezeigt. Im Gegenzug kann ich direkt Feedback geben, sodass wir gemeinsam die Verbesserung und Umsetzung besprechen können.

Familie

Vorab gesagt unsere Kinder sind schon etwas älter und nur so funktioniert es. Wir haben bereits eine feste Routine entwickelt, Kinder gehen in die Schule und wir haben uns als Familie eingespielt.

Wissend wie es ist Frischmami zu sein und welche familiäre Veränderung dies mit sich bringt; sei es neue Routinen, Aufgabenteilung, finanzielle Anpassungen etc. würde ich heute eine Gründung eines Start-ups gemeinsam mit meinem Partner mit einem Baby vergleichen.

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Das Start-up braucht Zeit, Aufmerksamkeit und ständige Wachsamkeit. Als Paar wächst man in die Aufgaben ein. Baut Vertrauen im Alltag auf und investiert viel Hingabe und Liebe.

Die Beziehung

Bei alldem sollte man sich als Partner nicht vergessen. Gemeinsame Aktivitäten – bewusst solche, die mit der Arbeit und dem Business nichts gemeinsam haben – sollten regelmäßig eingeplant werden.

Habt Spaß zusammen. Lebt das gemeinsame Work – Life Balance. Plant Auszeiten ein im Alltag und geht gemeinsam Mittagessen.

Bleibt offen und kommuniziert täglich. Teilt weiterhin eure Wünsche und Träume. Und geht auf gegenseitige Bedürfnisse ein. Denn am Ende des Tages – egal wie der Arbeitstag verlief – sagt ihr euch gegenseitig als letzte Gute Nacht.

Über die Verfasserin
Julia Kempel

Foto: yogaphoto.ch

Julia Kempel studierte Wirtschaftsingenieurin und ist Mama von 2 Kindern. Seit 2018 ist sie selbstständig unterwegs und seit 2019 Gründerin von 2 Unternehmen – Intoku GmbH und Stamy Booking GmbH.

Intoku ist ein Coworking Hub für Therapeuten und Kursleiter / Community / ganzheitliche Gesundheit. Gerne begleitet sie selbstständige Yogalehrer und Therapeuten und unterstützt sie dabei ihr Business aufzubauen.

Ab Januar übernehmen Julia und ihr Lebenspartner ein weiteres Yogastudio, welches unter Stamy Booking laufen wird.

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