Kolumne

Jakobsweg für Anfänger: Eine Pilgerreise auf dem Camino de Santiago

Der Jakobsweg für Anfänger von der Planung bis zur Pilgerurkunde erklärt: Der Jakobsweg (spanisch Camino de Santiago) ist einer der bekanntesten Pilgerwege der Welt.

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Dabei ist es eigentlich ein Sammelbegriff für mehrere Wege, die durch große Teile Europas und allesamt nach Santiago de Compostela führen. Zu den bekanntesten gehören die 5 Jakobswege in Spanien.

Es ist ein mittelalterlicher, christlicher Pilgerweg, der das Grab des Apostels Jakobus, zum Ziel hat. Man munkelt, seine Gebeine seien unter der Kathedrale von Santiago de Compostela bestattet. Beweise dafür gibt es jedoch nicht. Das scheint jedenfalls keinen der vielen Pilger, die den Weg jährlich begehen, zu stören.

Das Ziel ist also klar definiert, doch wo ist dann eigentlich der Anfang?

Wo beginnt die Reise auf dem Jakobsweg?

Wenn du willst, kannst du zu Hause starten! Davon ausgehend, dass du deinen Wohnsitz in Europa hast, ist das sogar durchaus möglich.

Es gibt ein flächendeckendes Netz ausgeschilderter und historisch nachgewiesener Jakobswege in Europa. Dazu gehören Länder wie Tschechien, Polen, Deutschland, Italien und Portugal. Allein die Jakobswege in Deutschland zählen 30 Stück.

Bestimmt bist du bereits ein Stück Jakobsweg gelaufen, ohne es zu wissen.

Bedenken wegen der Sprachbarriere oder langer Anreisezeit gelten hier also nicht mehr.

Dafür liegen die Ausgaben für Kost und Übernachtung in Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz umso einiges höher als z. B. in Tschechien, Polen und auch Spanien.

Jakobsweg Wegweiser Pfeil

Ein Verirren auf den „Caminos“ machen die zahlreichen Wegweiser in Form von Pfeil oder Muschel auf Häuserwänden, Steinen, Monolithen, Laternen, Mauern und dem Boden fast unmöglich.

Bei weniger gut ausgeschilderten Pfaden ist ein Pilgerführer (z. B. vom Verlag Rother oder Outdoor) immer eine gute Hilfe, zumal hier auch alle Höhenmeter, Herbergen, Restaurants und die besten Tipps und viele wissenswerte Fakten der einzelnen Etappen des Jakobsweges verzeichnet sind.

Neben den ganzen „Hard Facts“, die ich gleich aufzählen werde, ist der Jakobsweg aber vor allem eine spirituelle und emotionale Reise, die im Inneren stattfindet.

Ich selbst bin als absoluter Einsteiger, zwei der unten beschriebenen Wege gegangen und kann daher aus erster Hand berichten, wie sich das Ganze tatsächlich anfühlt. Doch dazu später mehr.

Nun wolltest du dich aber eigentlich nur über diesen EINEN Jakobsweg informieren und merkst, die Auswahl und die Möglichkeiten sind schier endlos!

Tut mir leid, ich wollte dich wirklich nicht verwirren. Lass mich das jetzt mit folgender Übersicht der populärsten Wege wieder gutmachen:

Die 5 beliebtesten Pilgerwege

Die 5 beliebtesten Pilgerwege

Der wohl bekannteste, meist bewanderte und von vielen, als der „Eine“ Jakobsweg betrachtete Pilgerweg ist der Camino Francés.

Mit der ersten Erwähnung im frühen 11. Jahrhundert ist es die älteste aller Strecken und gehört aufgrund seiner vielen Kunst- und Kulturgüter zum UNESCO-Welterbe.

Camino Frances (der französische Pilgerweg)

Start

In der kleinen französischen Stadt Saint Jean Pied de Port, nah der spanischen Grenze.

Länge

Ein 800 km langer Weg, aufgeteilt in 32 Abschnitte, mit einer Durchschnittslänge von 25 km an einem Tag.

Dauer

Geht man täglich 6 bis 8 Stunden, ist der Weg in 5 bis 6 Wochen machbar.

Level

Für Einsteiger geeignet. Er gilt als der einfachste der 5 Wege, da die Herbergendichte sehr hoch und die Höhenmeter hingegen sehr wenige sind.

Plus
  • Man passiert viele mittelalterliche Dörfer, Brücken, Klöster, Kathedralen und Bauwerke von Gaudí
  • Landschaftlich ist von den Pyrenäen über unzählige Weinanbaugebiete bis hin zur wüstenähnlichen Hochlandebene Meseta alles dabei
  • Sehenswerte Städte wie Burgos, León, Pamplona und die berühmte Puente la Reina
  • Alljährlich begehbar
Minus
  • Aufgrund der hohen Beliebtheit ist es in der Hochsaison im Sommer sehr überlaufen
  • Nichts für Wanderer die überwiegend allein und in Ruhe laufen möchten
Goodie

Es gibt in der Nähe vom Örtchen Estella eine Bodega die einen Weinbrunnen mit Rotwein befüllt und jedem kostenlos zur Verfügung stellt. Natürlich muss man sich hier mäßigen, Flaschenweises abfüllen des begehrten Weines ist nicht erwünscht. Mit einer „Traube“ von Menschen um den Brunnen herum ist zu rechnen.

Direkt nach dem Camino Frances kommt in Sachen Beliebtheit der Camino Portugues.

Camino Portugues (der portugiesische Pilgerweg)

Start

In der Hauptstadt Lissabon oder alternativ in der Hafenstadt Porto.

Länge

Der „große“ Weg ab Lissabon hat eine Gesamtlänge von 620 km, mit 25 Tagesetappen á 15 bis 25 km.

Ab Porto weist der Weg eine Länge von insgesamt 250 km und ca. 12 Etappen zu 10 bis 30 km Länge auf.

Dauer

Ab Lissabon sollte man 4 bis 5 Wochen einrechnen, in 2 bis 3 Wochen ist die Route ab Porto zu schaffen.

Level

Beide Routen sind für Beginner und Leute mit eher niedrigem Fitnesslevel geeignet. Auch hier gibt es eine gute Infrastruktur und eher flache Wegprofile.

Plus
  • Ab Porto gibt es die Möglichkeit einen alternativen Weg entlang der atlantischen Küste zu wählen
  • Von Weinbaugebieten, Maisfeldern, mittelalterlichen Ruinen und alten portugiesischen Dörfern gesäumter Weg
  • Die Städte Porto, Barceló und Ponte de Lima auf der portugiesischen Seite und die Altstadt von Tui in Spanien sind echte Augenweiden
  • Alljährlich begehbar
Minus
  • Relativ viele Asphaltwege
Goodie

Die Grenze von Spanien und Portugal markiert eine 318 m lange Brücke. In der portugiesischen Stadt Valença betritt man die Grenzbrücke und setzt nach der Brücke in Tui den Fuß auf spanischen Boden.

Camino del Norte (der Küstenweg)

Start

Fast an der Grenze zu Frankreich, in der nordöstlichsten spanischen Stadt Irun.

Länge

Eine Länge von 830 km und 40 Etappen die etwa 10 bis 35 km lang sind.

Dauer

In 5 bis 6 Wochen zu schaffen.

Level

Die Strecke ist mittel bis schwer einzustufen. Gerade am Anfang und zum Ende hin begeht man einiges an Höhenmetern.

Plus
  • Panoramablicke mit dem Meer und Bergen, soweit das Auge reicht
  • Die großen Städte Bilbao, Santander und Oviedo
  • Ist im Vergleich zum Camino Frances und Portugues noch verhältnismäßig ruhig
  • Alljährlich begehbar
Minus
  • Im Winter schließen einige Herbergen und Pensionen aufgrund der geringen Pilgeranzahl, somit muss auf einigen Wegabschnitten des Jakobsweges mit längeren Etappen gerechnet werden
Goodie

Das Kunstmuseum Guggenheim in Bilbao, mit der 9 m hohen Spinnenskulptur vor dem Gebäude ist definitiv ein Must-See.

Camino Primitivo (der ursprüngliche Weg)

Start

Beginnt in der im Norden liegenden, spanischen Stadt Oviedo.

Länge

Der Weg ist 310 km lang, aufgeteilt in ca. 15 Etappen mit 10 bis 30 km Länge.

Dauer

Kann innerhalb von 3 Wochen bewältigt werden.

Level

Schwer bis sehr schwer. Nur für wirklich fitte Leute zu empfehlen, da täglich mehrere hunderte von Höhenmetern erklimmt und wieder abgestiegen werden müssen.

Plus
  • Sehr ursprünglich und daher perfekt für Naturliebhaber
  • Atemberaubende Ausblicke belohnen die anstrengenden Aufstiege
  • Für Jedermann der die Herausforderung nicht scheut und gerne alleine läuft
  • Ein freier Platz in einer Herberge ist praktisch sicher
Minus
  • Im Winter nicht passierbar wegen der vielen Schneefälle in den Bergen
Goodie

Vom Camino del Norte kann man über einen Verbindungsweg bei Gijon auf den Camino Primitivo abbiegen und somit beide Wege miteinander kombinieren.

Via de la Plata (der Silberweg)

Start

Beginnt in der reizvollen andalusischen Stadt Sevilla.

Länge

Mit 1.000 km ist er der längste der 5 Jakobsrouten. In 36 Etappen, mit einer durchschnittlichen Länge von 30 km aufgeteilt.

Dauer

Insgesamt 7 Wochen sollten für diesen Jakobsweg eingeplant werden.

Level

Gilt als Geheimtipp für erfahrene Jakobsweggänger, da die Tagesstrecken ziemlich lang und die Herbergendichte eher gering sind.

Plus
  • Ehemalige wichtige Handelsstraße der Römer, mit alten Steinwegen und Brücken gepflastert
  • Knorrige Olivenbäume und weiße Dörfer in Andalusien, weite Weidenflächen in der Extremadura und die bergige Region Castilla y León
  • Deutlich weniger Regentage als auf den Wegen im Norden
Minus
  • Teilweise wenig bis gar nicht markierte Strecken
  • Hohe Temperaturen von bis zu 40 ° Celsius im Schatten machen es im Sommer praktisch unmöglich diesen Jakobsweg zu laufen
Goodie

In der kleinen Gemeinde Baños de Montemayor laden Thermalquellen zum Lösen der verspannten Muskeln ein.

Finisterre (Das Ende der Welt als Bonus obendrauf)

In Santiago anzukommen ist für so manchen ein regelrechter Schock, denn auf einmal merkt man: Der Weg war das Ziel!

Bleibt aber noch etwas Zeit und Motivation, besteht die Option weitere 86,6 km in 4 Tagen zu wandern.

Dieser Weg, der im Grunde kein Jakobsweg ist, da er vom Ziel wegführt, leitet zum Kap Finisterre an der sogenannten Todesküste (Costa da Morte). Hier sollen wegen der starken und unberechenbaren Winde und Strömungen, viele Schiffe im Mittelalter an den Klippen zerschellt sein.

Dort steht auch der letzte, mit dem Kilometer Null versehene Markierungsstein (das Ende).

Ein weiteres Highlight stellt der Leuchtturm dar, an dessen Klippe viele Pilger, Teile ihrer Kleidung oder Ausrüstung verbrennen um symbolisch ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Besonders unersättliche Wanderseelen können in einer letzten Option von Finisterre aus in den Marien Wallfahrtsort Muxía laufen, der nochmal zusätzlich 28 km in Anspruch nimmt.

Auf fast allen Strecken ist im Frühling und Herbst die beste Zeit zum Pilgern.

Hast du den für dich passenden Jakobsweg schon gefunden? Ja? Super!

Joanna K Jakobsweg finden Tipps

Bitte bedenke, dass das alles nur Richtwerte sind. Im Grunde kann man den Weg anfangen und aufhören, wo man möchte und ihn in mehrere kürzere Abschnitte aufteilen, wenn möglich.

Ein großer Anfängerfehler besteht darin, sich an anderen zu orientieren und dabei sein eigenes natürliches Tempo zu ignorieren.

Damit brennt man sich nur vorzeitig aus und es besteht die Gefahr wegen Zerrungen oder Verletzungen eine oder mehrere Zwangspausen einlegen zu müssen.

Manch Wanderer kehrt sogar jedes Jahr wieder zurück, um für 1 oder 2 Wochen ein weiteres Stück vom Jakobsweg zu gehen.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O bei der Planung rund um den Jakobsweg.

Als Erstes wird es Zeit, den Pilgerausweis (spanisch Credencial del peregrino) über eine der zahlreichen Jakobusgesellschaften online zu bestellen. Dieser ist quasi deine „Eintrittskarte“ in die Herbergen auf den Pilgerwegen und gilt der Identifikation als solcher.

Mit einem Stempel wird von jeder Unterkunft deine Anwesenheit an dem Ort bescheinigt.

Das dient am Ende auch als Bestätigung für den Erhalt der Urkunde (Compostela) im Pilgerbüro in Santiago de Compostela. Die erhält man übrigens bereits, wenn man nachweisen kann das man mindestens die letzten 100 km zu Fuß gelaufen ist.

Öffnet mal ein Wiederholungspilger sein reich abgestempeltes Heftchen, sorgt das nicht selten für große Bewunderung unter allen anderen.

Auf dem Camino zählen eben andere Dinge.

Ich packe meinen Wanderrucksack…

Jakobsweg was packe ich in meinen Rucksack

Die 2 wichtigsten Sachen, in die es sich unbedingt lohnt, auch Geld zu investieren sind Trekkingrucksack und Wanderschuhe.

Der Rucksack steht nicht nur symbolisch für das Leben des Pilgers, ein gutsitzender Rucksack erspart einem so manch atemraubende Rückenschmerzen beim Wandern, wenn auch nicht alle.

Die Schuhe sollten mindestens 2 Wochen vorher eingelaufen werden und wie angegossen sitzen.

Ich begegnete so einigen armen Seelen, die den Weg widerwillig beenden mussten, weil sie ihre offenen und schmerzenden Blasen an den Füßen kein Stück weiterlaufen ließen.

Übersicht der Dinge, die in den Rucksack sollten:

Packliste
  • Rucksack + Rucksackhülle
  • Wanderschuhe + Sandalen
  • Schlafsack
  • 3 (Funktions) T-Shirts
  • 3 Unterhosen
  • 3 (Wander) Socken
  • Fleecejacke oder dicker Pullover
  • Regenjacke oder Poncho
  • 1 Kopfbedeckung
  • 1 Mikrofaser Handtuch
  • Trinkflasche
  • Optional: 1 Zelt und eine Isomatte
Hygieneartikel
  • Zahnbürste + Zahnpasta
  • 2 in 1 Shampoo und Duschgel
  • 1 Tube Handwaschmittel
  • 1 kleine Reiseapotheke (Schmerztabletten, Blasenpflaster und normale Pflaster in verschiedenen Größen)
  • Nagelpflegeset
  • Sonnencreme/ Gesichtscreme
  • ggf. 1 Packung Binden oder Tampons
Technik
  • Handy + Ladegerät
  • Stirnlampe
  • 1 Powerbank
  • Optional: Fotokamera und E-Book Reader samt Ladegeräten
Unterlagen
  • Flugtickets
  • Pilgerausweis mit Schutzhülle
  • Personalausweis oder Reisepass
  • 1 bis 2 Kreditkarten (für Abhebungen ohne Auslandsgebühren)
  • 1 EC-Karte
  • 1 Krankenversichertenkarte
  • 1 Heft + Stift
  • 1 Pilgerführer
Sonstiges
  • Sonnenbrille/ Lesebrille mit Etui
  • Ohrstöpsel
  • Wäscheleine
  • Reisebesteck

Mäßigung ist beim Packen das höchste Gebot! Das Gewicht sollte keinesfalls 10 % deines eigenen Körpergewichts überschreiten. Jedes Gramm lastet während des Pilgerns schwer auf dem Rücken.

Besonders die ersten drei Tage gelten als die schwierigsten, weil sich der Körper erst noch an das neue tägliche Pensum an Bewegung und Gewicht gewöhnen muss.

Wichtige Tipps und Tricks für Anfänger

  • Es gibt die Möglichkeit, sich einen kostenpflichtigen Gepäcktransport zu organisieren, der den Rucksack vorab in die Pilgerherbergen befördert. So kann man den Jakobsweg gehen und maximal genießen, frei von Schmerzen und Zeitdruck
  • In der Hochsaison ist es nicht unüblich, dass man einige zusätzliche Kilometer in Kauf nehmen muss um zur nächsten freien Herberge zu gelangen. Hier gilt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.
  • Der Alleskönner, das Sarong Tuch. Meine absolute Empfehlung für jede Reise! Kann man sowohl als Sichtschutz in Herbergen, als auch schickes Strandkleid oder Schal verwenden
  • Pausentage sollten zwischen den Etappen immer miteingeplant werden. Ein Tag am Strand oder ein entspanntes Flanieren durch die Stadt lädt die Batterien wieder auf und lässt einen beflügelt wieder weiterwandern
  • Gönn deinen Füßen auch eine Pause! Bei jedem längeren Halt sollten sie von den Wanderschuhen befreit und an die Luft gelassen werden. Wirkt wie ein kleiner Frische- und Powerkick zwischendurch.

Wie viel kostet mich die Pilgerreise auf dem Camino?

Wie viel kostet mich die Pilgerreise auf dem Camino?

Es kostet vor allem Mut und ganz viel Durchhaltevermögen!

Gleich danach kommen mit einer Rechnung von circa 500 Euro der Trekkingrucksack und die Wanderschuhe.

Aber es ist eine Investition für die Zukunft! Denn wurde man vom Wanderfieber erstmal angesteckt, ist es sehr wahrscheinlich das die Ausrüstung danach noch viele Male ihren Einsatz finden wird.

Die Preise der übrigen Artikel lassen sich nur schwer errechnen, da sich einzelne Teile bereits im Besitz befinden und jeder bei den restlichen Produkten seine eigenen Vorlieben bei Marke und Hersteller hat.

Auf dem Jakobsweg selbst, sollte mit einem Tagesbudget von circa 30 bis 50 Euro gerechnet werden.

Beispiel:

  • Die Herberge kostet meist zwischen 8 und 15 Euro
  • Frühstück (belegtes Brötchen, Kaffee, Saft) liegt bei ca. 5 Euro
  • Mittag- und Abendessen bei ungefähr 20 Euro
  • Für den Wegproviant (z. B. Nüsse, Müsliriegel, Wasser) sind etwa 10 Euro einzuplanen

Auch hier kommt es ganz auf die individuellen Ansprüche des Einzelnen an und nach unten und nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Gut zu wissen…

Den Spaniern ist ihre Siesta (Mittagspause) heilig. Von 15 bis 18 Uhr sind alle Geschäfte geschlossen, was den hungrigen Jakobsgänger nach einem langen Wandertag so manche Male in die pure Verzweiflung treibt. Eine gute Eindeckung mit genügend Wegproviant hilft über die Wartezeit bis zum Abend hinweg.

Der Feinschmecker kommt auf dem Weg trotzdem ganz auf seine Kosten!

Kulinarisches rund um den Jakobsweg

Neben den typischen Pilgermenüs, die viele Restaurants vergünstigt anbieten, hält jede Region ganz eigene, köstliche Spezialitäten für das Genießerherz parat.

Doch nicht immer ist die Auswahl ausgiebig und groß, in kleineren Orten bleibt da oft nur der Gang zum Supermarkt oder die Herberge selbst bietet eine einfache Mahlzeit an.

Regionale Leckereien, die man unbedingt probieren sollte:

  • Frittierte Auberginen mit Honig in Andalusien (Berenjenas con miel)
  • Reichbelegte kleine Weißbrote im Baskenland (Pinchos)
  • Deftiger Bohneneintopf mit viel Einlage in Asturien (Fabada a la Asturiana)
  • Gekochter Oktopus in Olivenöl und etwas grobem Salz in Galizien (Pulpo de Gallego)
  • Fangfrische, gegrillte Sardinen in Portugal (Sardinhas na brasa)
  • Der berühmte saftige Mandelkuchen in Santiago de Compostela (Tarta de Santiago)

Ein üppiges Mahl wird üblicherweise mit dem Glas eines köstlichen spanischen Rotweins (z.B. Rioja) oder einem erfrischenden „Tinto de Verano“ (Weincocktail) gekrönt.

Kann man als Anfänger alleine den Jakobsweg gehen?

Meiner Meinung nach ist die Pilgerreise sogar der beste Einstieg für Leute die das Alleinreisen ausprobieren möchten.

Vor allem weil man nicht lange allein bleibt.

Neben religiös motivierten Jakobsgängern, trifft man auf ein buntes Potpourri an Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und Motivation, was die Reise auf dem Jakobsweg zu einem einmaligen Erlebnis macht.

Statistisch gesehen geben sich, prozentual gesehen, Männer und Frauen die Waage. Viele starten ihre Reise solo und enden in Grüppchen voll Individuen, die sich im „echten“ Leben so wohl niemals zusammengefunden hätten.

Es ist völlig normal, dass man unterwegs alle paar Tage auf bekannte Gesichter trifft und sich mit einem herzlichen „Buen Camino!“ (Guten Weg!) oder „Ultreia“ (so viel wie „Vorwärts!) begrüßt.

Die Abende in den Herbergen gestalten sich sehr fröhlich und kommunikativ. Das gemeinsame Ziel verbindet, ein Gesprächsthema ist dadurch immer gegeben und entwickelt sich auch mal schnell in eine tiefgründige Richtung.

Durch die fehlende Ablenkung von uns sonst ständig umgebenden Medien entsteht sehr leicht menschliche Nähe und endet im besten Fall in einer richtigen Freundschaft.

Mindset und Symbolik

Der Jakobsweg führt von Osten (Sonnenaufgang) nach Westen (Sonnenuntergang). So symbolisiert er das Werden, das Sein und das Vergehen. Der ständige Kreislauf des Lebens, wie uns schon Elton John mit dem Titelsong zum „König der Löwen“ lehrte.

Es heißt, am Ende der Wallfahrt würden jedem Ankommenden all seine Sünden erlassen. Streckenweise nabelt sich jeder mal von seinem Mitpilgern ab und läuft allein.

In Gedanken verloren, kämpft jeder seinen eigenen Kampf.

Und dabei geht es nicht einmal darum, über den Sinn seines eigenen Lebens zu philosophieren, sondern einfach nur im Moment zu sein. Einen Schritt nach dem anderen zu gehen, ohne an den noch zu bewältigenden langen, beschwerlichen Weg zu denken.

Immer weitergehen, trotz Schmerzen und Zweifel.

Denn so reich man auf dieser Reise belohnt wird, so sehr wird man auch gefordert. Es ist dieser gewisse Zauber dieses Weges, den es so schwer ist, jemandem, der es nicht erlebt hat, zu beschreiben.

Ich startete als blutiger Anfänger auf dem Jakobsweg

Ich selbst wählte 2014 den Jakobsweg Camino del Norte und bin 2017 den Camino Portugues ab Porto nach Santiago gelaufen.

Jeden Tag gab es Momente, in denen ich diesen Weg verfluchte und mich fragte warum ich den Jakobsweg überhaupt gehe. Tatsächlich war es so, dass mich damals meine beste Freundin dazu überredete, nachdem sie das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ verschlungen und sich davon inspiriert gefühlt hatte.

Sie brach aus persönlichen Gründen nach 2 Wochen ab und ich lief nach 6 Wochen zwar ohne sie, aber mit meiner eigenen kleinen, bunt zusammengewürfelten Pilgerfamilie in Santiago de Compostela ein.

Während ich diesen Artikel schreibe, kommen so viele wundervolle Erinnerungen zurück, dass ich am liebsten sofort wieder den Jakobsweg pilgern möchte. Und das wird sicherlich in nicht allzu ferner Zukunft passieren.

Wer weiß, vielleicht sitzen wir uns dann eines Abends zufällig in der Herberge gegenüber und du erzählst, wie dich dieser eine Artikel den du gelesen hast dazu inspirierte, den Jakobsweg zu laufen…

In diesem Sinne mal ein herzliches: „Ultreia!“

Autoreninfo: Joanna K.

Joanna K. ist eine bunt bemalte Reiseenthusiastin mit einem Faible für Kunst, Kultur & Kulinarik. Außerdem professionelle Tierstreichlerin und bekennende Kaffeeholikerin.

Joanna K über den Jakobsweg

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