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Body Shaming – ein Begriff, der bei einigen Menschen in aller Munde ist. Andere wiederum lesen diesen Begriff vielleicht das erste Mal.

Zunächst klingt der Begriff einigermaßen harmlos, fast schon verniedlichend.

Manch einer hat jetzt vielleicht das Bild eines kleinen Mädchens vor Augen, welches sich für ihren Körper schämt … vielleicht, weil es nackt vor einem Arzt stehen muss.

Doch darum geht es beim Body Shaming nicht. Body Shaming ist Mobbing pur und Body Shaming kann den Betroffenen das Leben zur Hölle machen, bis hin, dass Betroffene mit Suizid-Gedanken spielen.

Doch was genau verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff Body Shaming? Wir zeigen dir die Bedeutung hinter den Begriff und einige Beispiele.

Was ist Body Shaming? 

Bei Bodyshaming handelt es sich um Diskriminierung, Beleidigung, Ausgrenzung etc. aufgrund bestimmter Körpermerkmale. Body Shaming fängt mit kleinen spitzen Bemerkungen an und kann bis zur öffentlichen Diffamierung einer Person auf den sozialen Medien gehen.

Bei Body Shaming geht es ausschließlich um äußere Schönheitsideale. Der Mensch wird auf seine äußeren Merkmale reduziert. Gerade bei Menschen mit einem schlechten Selbstwertgefühl kann das massive, negative Folgen haben.

Das ohnehin schon schlechte Selbstbild wird dadurch noch weiter zerstört. Das wirklich Gemeine an Mobbing dieser Art ist, dass die Betroffenen kaum etwas daran ändern können.

Je mehr sie aufgrund ihrer Äußerlichkeiten, also ihres Aussehens abgelehnt werden, desto schwieriger ist das Thema der Selbstakzeptanz.

Dadurch kann auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Talente massiv sinken. Im schlimmsten Fall haben Betroffene vor lauter Verzweiflung und Aussichtslosigkeit Suizid-Gedanken.

Ursachen & Bedeutung von Body Shaming

Ursachen von Body Shaming

Die schöne heile Welt mit lauter hübschen und erfolgreichen Menschen – so könnte ein Untertitel für viele Social Media Kanäle sein.

Weiterhin sind da all die schönen und erfolgreichen Menschen, die man in Zeitschriften, Magazinen und im TV bewundern kann. Schön wird gleichgestellt mit erfolgreich und glücklich.

Doch genau dieser winzig kleine Ausschnitt aus der Realität gibt ein total verzerrtes Bild. Nicht erreichbare Schönheitsideale werden als Vorbild genommen.

Das kann auf verschiedenen Ebenen total katastrophale Auswirkungen haben, die allesamt auf ein mangelndes Selbstwertgefühl zurückzuführen sind.

Ebene 1:

Das eigene Selbstwertgefühl leidet darunter, dass anscheinend „normale“ Schönheitsideale von einem selbst nicht erfüllt werden können. Betroffene fühlen sich hässlich und nicht der Idealwelt dazugehörig.

Ebene 2:

Um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken, werden andere Menschen abgewertet. Und genau hier kann schon Body Shaming beginnen, indem beispielsweise andere öffentlich beleidigt und diskriminiert werden.

Gerne vergleiche ich es mit einem angeschossenen Tier, was aus lauter Panik wild und angriffslustig wird.

Ebene 3:

Body Shaming verursacht bei Betroffenen massives Leid und verstärkt das mangelnde Selbstwertgefühl noch mehr.

Alles in allem kann man sagen, dass die Ursache von Body Shaming in übertriebenen Schönheitsidealen liegt. Das Paradoxum dabei: Schönheitsideale ändern sich im Laufe der Zeit.

Während in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kurven als besonders schick galten, wurden nur 10 bis 15 Jahre später superschlanke Models als das Schönheitsideal schlechthin gefeiert.

Was heute als besonders schick gilt, wird vielleicht morgen schon diskriminiert.

Und wenn wir genau hinsehen: wie viele veröffentlichte Fotos entsprechen wirklich der Realität? Wie einfach ist es heutzutage, Fotos zu bearbeiten und vermeintliche Schönheitsfehler einfach weg zu retuschieren? Hierfür gibt es sogar viele kostenfreie Apps.

Doch genau das verzerrt das Realitätsbild immer stärker!

Was macht Body Shaming mit Betroffenen?

Diskriminierung und Beleidigung von Betroffenen haben fatale Folgen für Körper, Geist und Seele. Betroffene, die ohnehin schon darunter leiden, einem gewünschten Schönheitsideal nicht zu entsprechen, werten sich selbst immer mehr und mehr ab.

Eine gefährliche Abwärtsspirale. Besonders häufig trifft es übergewichtige Menschen. Es wird in diesen Fällen auch von „Fat Shaming“ gesprochen.

Es soll verschiedene Studien geben, in denen immer wieder herausgekommen ist, dass vielen übergewichtigen Menschen Faulheit und eine schlechtere Leistungsfähigkeit, als normalgewichtigen Menschen nachgesagt wird.

Auch diese Vorurteile sorgen nicht gerade dafür, dass das Selbstwertgefühl von Betroffenen steigt.

Diskriminierung, Beleidigungen und Mobbing sorgen dafür, dass sich Betroffene selbst immer schlechter fühlen und im schlimmsten Fall in depressive Phasen, bis hin zu Suizid-Gedanken abgleiten.

Gut gemeinte Ratschläge von Außenstehenden bewirken dann häufig noch eher das Gegenteil. Statt gestärkt, fühlen sich Betroffene oft noch schlechter.

Eine schlechte psychische Verfassung kombiniert mit großen Selbstzweifeln sorgen für einen immer größeren Rückzug. Das Selbstwertgefühl sinkt ins Bodenlose. Beides zusammen wirkt wie Gift im Körper, sorgt für eine schlechte Ausstrahlung und damit für noch mehr Bestätigung der Überzeugung, nicht gut genug zu sein.

Weiterhin sorgen eine schlechte psychische Verfassung und ein negatives Selbstbild dafür, dass der Körper irgendwann mit entsprechenden Krankheitssymptomen reagiert.

Gegenbewegungen „Body Positivity“ und „Body Neutrality“

Body Positivity

Aktuell sind zwei Gegentrends zu beobachten:

Gegentrend 1: Body Positivity.

Immer mehr Menschen, auffallender Weise vor allem junge Mädchen und Frauen, bekennen sich zu ihren Kurven, Rundungen und sogar zu ihrer Cellulite.

Sie vertreten die Meinung, dass jeder Körper schön ist, so, wie er nun mal ist. Sie ermutigen andere Menschen dazu, zu ihrem Körper zu stehen. Sie fordern Betroffene auf, dass sie sich schön finden sollen, so, wie sie nun mal sind.

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Auch Mode-Unternehmen haben diesen Trend erkannt und schicken sogenannte XXL-Models oder auch Models mit Falten und Schwangerschaftsstreifen auf dem Laufsteg mit der Begründung, dass ein Großteil ihrer Kundschaft ohnehin noch nie dem angesagten Schönheitsideal entsprochen haben.

Doch auch diese Gegenbewegung wird von einigen Experten als kritisch angesehen. Sie fordern „Body Neutrality“

Gegentrend 2: Body Neutrality.

Einige Psychologen sagen, sich schön fühlen zu müssen, sei der falsche Weg.

Ihnen ist der Body Positivity Trend insofern ein Dorn im Auge, weil das Selbstwertgefühl auch hierbei nur aufgrund von äußerlichen Merkmalen aufgebaut wird. Sie empfehlen, „Du musst Deinen Körper nicht schön finden. Er sollte Dir egal sein“.

Viel wichtiger sei es, das Selbstwertgefühl aufgrund von anderen Merkmalen aufzubauen und nicht an das äußere Erscheinungsbild zu koppeln.

Doch was ist jetzt wirklich der richtige Weg? Helfen die Gegentrends Body Positivity und Body Neutrality den Betroffenen wirklich, aus ihrem psychischen Tief herauszukommen?

Meine Meinung dazu ist: der einzige Weg, sich zu wehren und eine psychische Stabilität aufzubauen ist es, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen.

Hierfür habe ich unter anderem in meinem Buch „Das Selbstwert-Lexikon“ 133 Übungen aufgeschrieben, mit denen Selbstzweifel und das Gefühl von Minderwertigkeit nach und nach verändert werden können – hin zu einem positiven Selbstbild und einem stabilen Selbstwertgefühl von innen heraus.

Echtes Wachstum kommt von innen, niemals von außen!

Was tun gegen Bodyshaming?

Die zwei wichtigsten Tipps: Reden und Hilfe annehmen! Betroffene haben häufig einen völlig falschen Blick auf die Realität.

Kennen Sie diese Spiegel, die total verzerren und die Optik verändern? Es gibt ganze Spiegel-Kabinette, wo die verschiedensten Varianten von diesen Spiegeln hängen.

So ähnlich ist es bei Betroffenen. Sie haben, wie schon erwähnt, häufig ein viel zu schlechtes Selbstbild. Sie reduzieren sich selbst auf ihre Äußerlichkeiten und vergessen dabei, welch wundervoller Mensch sie tatsächlich sind.

Sie vergessen dabei den Blick auf die eigenen Stärken, Talente und positiven Charaktereigenschaften. Der Mensch besteht aus mehr, als nur aus seiner Optik.

Gerade hier helfen Gespräche mit Außenstehenden, wie Freunde, Familienangehörige, aber auch Therapeuten und Coaches sehr.

Betroffenen sage ich gerne:

„Bitte holen Sie sich Hilfe und Unterstützung. Das Leben ist zu kurz für diese schlimmen und krankmachenden Gefühle! Lebensfreude ist der Motor für ein glückliches Leben. Deswegen nehmen Sie bitte Hilfe in Anspruch!“

5 Tipps für ein gesundes Selbstwertgefühl 

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Je stärker das eigene Selbstwertgefühl ist, desto weniger können einen Angriffe von außen treffen. Aus diesem Grunde möchte ich mit 5 Tipps für ein gesundes Selbstwertgefühl von innen heraus enden:

Schreib ein Dankbarkeitstagebuch zum Thema Selbstakzeptanz.

Schreib dir bitte täglich auf, wofür du dankbar bist – und zwar bei dir selbst. Das können körperliche Merkmale sein, wie zum Beispiel schöne Haare, tolle Fingernägel etc., aber auch Charaktermerkmale, Talente und Fähigkeiten.

Werde dir deiner Talente und Fähigkeiten bewusst.

Viele unserer Talente und Fähigkeiten verbergen sich in unseren Selbstverständlichkeiten. Gerade weil dir vielleicht das eine oder andere so selbstverständlich erscheint, kannst du es selbst nicht als Besonderheit erkennen.

Für dich ist es ja so selbstverständlich. Werde dir darüber bewusst: das ist für andere Menschen häufig alles andere, als selbstverständlich und sie bewundern dich dafür.

Wenn dir selbst nichts einfällt, frag doch mal dein näheres Umfeld, was du ganz besonders gut kannst und was sie an dir besonders schätzen. Du wirst erstaunt sein… davon bin ich fest überzeugt.

Führe ein Lern-Tagebuch.

Frage dich am Ende des Tages: Was durfte ich heute Besonderes lernen?

Du wirst feststellen, dass fast alles, was du erlebst – unabhängig davon, ob es positiv oder negativ ist – für irgendwas gut ist. Fast alles, was wir erleben, beinhaltet eine neue Lernerfahrung.

Stelle die Zauberfrage: „Was ist das Gute daran, was ich aktuell noch nicht sehen kann?“

Versuche bitte nicht, diese Frage mit dem Verstand zu beantworten. Stelle sie vor dem Schlafengehen, vor einer Meditation oder vor dem Sport.

Dein Unterbewusstsein wird dir wahrscheinlich genau dann eine Antwort geben, wenn du gar nicht damit rechnest.

Übe dich darin zu sagen, worauf du stolz bist.

Suche dir dafür eine:n Sparringpartner:in, der oder dem du das jeden Abend z.B. per Sprachnachricht mitteilen kannst.

Wenn du es noch nicht aussprechen kannst, dann mach es schriftlich. Aber übe es! Worauf bist du stolz? Warum bist du so großartig und einzigartig, wie du nun mal bist?

Mehr Tipps für ein gesundes Selbstwertgefühl gibt es im Selbstwert-Lexikon von Daniela Landgraf. Es ist überall im Buchhandel erhältlich. Je mehr die Selbstzweifel sinken, desto mehr wird deine Lebensfreude steigen!

Die Arbeit an einem gesunden Selbstwert lohnt sich – nicht nur, um gegen Body-Shaming gewappnet zu sein, sondern vor allem auch für ein glückliches und erfolgreiches Leben voller Zuversicht und Freude.

Zur Autorin:

Daniela Landgraf

Daniela Landgraf gehört zu den bekanntesten Experten zum Thema Selbstwert. Als Autorin von inzwischen 11 Büchern schreibt sie vor allem über die Themen Selbstwert, mentale Stärke und Lebensfreude.

Sie liebt die Bühne – sowohl als Inspirations-Rednerin, als auch als Moderatorin. Doch das war nicht immer so. Sie ist selbst durch die Selbstwerthölle gegangen und weiß genau, wovon sie schreibt und spricht.

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