Interview

Unternehmerin Fränzi Kühne: „Ich nehme Chancen wahr, wenn sie vor mir liegen!“

Die Aufsichtsrätin, Speakerin und Autorin Fränzi Kühne berät seit 2008 Führungskräfte, Geschäftsführer:innen und Gründer:innen aus den Bereichen Wirtschaft, Management und Politik in Bezug auf Digitalisierung.

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Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Interaktion zwischen Menschen sowie Projekte und Organisationsstrukturen einer starken Unternehmenskultur.

Dank ihrer Vision einer technologieorientierten Zukunft schaffte sie es sogar zum Nationalkomitee. Franzi hat seit 2017 mehrere Amtszeiten in der Hand. 

Fränzi Kühne: „Mittlerweile sind wir eine Mischung aus Agentur und Unternehmensberatung“

Die erfolgreiche Unternehmerin gilt als Erste Social-Media-Agentur Gründerin Deutschlands und jüngste Aufsichtsrätin. Fränzi hat es geschafft, einen feministischen Schwung in die digitale Branche zu bringen. 

Was genau tust du?

Ich habe vor mittlerweile 13 Jahren die erste Social-Media-Agentur namens „Torben Lucie und die gelbe Gefahr“ (TLGG) gegründet.

Von drei Mitarbeitern sind wir auf über 200 gewachsen und bezeichnen uns mittlerweile als eine Mischung aus Agentur und Lebensberatung. Wir beraten unsere Kund:innen über den digitalen Wandel und erklären, was digitale Transformation für ihr Geschäftsmodell bedeutet. 

Ich bin jedoch vor 1,5 Jahren aus dem Unternehmen ausgestiegen. Ich habe gekündigt, da ich mit meiner Familie auf Weltreise gehen wollte. Einen Monat nach meiner Kündigung kam aber Corona und hat mir einen Strich durch die Rechnung gezogen.  

Die Lockdown-Zeit habe ich produktiv genutzt und ein Buch geschrieben: „Was Männer nie gefragt werden, Ich frage trotzdem mal„. Seit dem Erscheinungsdatum ist das Buch auf der Spiegelbestseller Liste der Top 10, worauf ich unglaublich stolz bin.

Was Männer nie gefragt werden, Buch von Fränzi Kühne

Wie würdest du dich selbst als Person beschreiben? 

Fränzi: Optimistischentspannt und lebensfroh.

Hast du bestimmte Rituale oder Routinen?  

Als ich noch ins Büro gegangen bin, auf jeden Fall!  

Damals war solch eine Routine der Weg ins Büro und wieder zurück nach Hause. Diesen Weg (halbe Stunde Autofahrt) ins Büro habe ich immer genutzt, um die Perspektiven zu wechseln. Von ‚Familienmama, die gerade ihre Kinder zur Kita gebracht hat‘ hin zur Managerin eines 200-Mann-Ladens.

Diese halbe Stunde benötigte ich, um mich zu sortieren und in die neue Rolle überzugehen. Während der Autofahrt habe ich auch Musik gehört.

Bei der Fahrt nachhause bin ich den Tag und die für den morgigen Tag anstehenden Aufgaben in meinem Kopf durchgegangen. Das hat mir geholfen, bei der Ankuft zuhause wieder in die Rolle der Familienfrau zu schlüpfen.

Es ist mir wichtig, dass diese Rollenwechsel ganz bewusst passieren und ich eine klare Grenze zwischen ihnen ziehen kann. Ich bin nicht gut darin, alles gleichzeitig zu machen. Ich brauche meine Grenzen. 

Fränzi Kühne: „Ich habe keinen großen 5-Jahres-Plan. Ich habe noch nicht einmal einen Einjahres-Plan“

Fränzi Kühne Autorin

Foto: Tom Wagner

Wie bist du zum Entschluss gekommen, dass das, was du machst, deine Berufung ist?

Fränzi: Das ist schwierig, denn es ist einfach so passiert.

Ich habe mir nie vorgenommen, Gründerin, Aufsichtsrätin oder Autorin zu werden. Viel lieber nehme ich Chancen wahr, wenn sie vor mir liegen.  

Genau so war das mit der Gründung. Ich habe eigentlich Jura studiert. Eines Tages meint ein Kommilitone zu mir: „Komm mal mit, ich arbeite bei so einer tollen Firma“, und auf einmal haben wir zusammengearbeitet.  

Während der Zusammenarbeit haben wir uns besser kennengelernt und ein Unternehmen gegründet. Das war eine tolle Gelegenheiten und hat sich nie forciert angefühlt – und so ist es heute noch.

Ich habe keinen großen 5-Jahres-Plan. Ich habe noch nicht einmal einen Einjahres-Plan. Ich habe einen Zweimonats-Plan und das war’s dann auch schon. Ich habe nicht DIE große Planung. 

Was war dein schönstes Erlebnis bzglArbeit oder Berufung? Was genau hat dich berührt oder motiviert?

Da gibt es ganz viele Momente.

Dazu zählen die kleinen Momente, in denen mir tolle Mitarbeiter:innen begegnet sind und mir sagten: „Fränzi, du hast mich weitergebracht„. 

Es gibt auch Frauen, die ich überhaupt nicht kenne, die meinen, ich habe sie inspiriert. Genau das treibt mich auch an.  

„Fränzi Kühne: die Aufsichtsrätin“; ist nicht der Status, den ich haben will. Ich will Frauen inspirieren. Ich will einen Weg aufzeigen, wie man Spitzenpositionen in Unternehmen einnehmen und Karriere machen kann.

Hast du Tipps oder Methodendie dir echte Ergebnisse im Business-Alltag bringen oder dir deine Arbeit erleichtern? 

Fränzi: Ich bin wahnsinnig strukturiert und habe immer alles perfekt geplant, ohne Kinder, Karriere und mich selbst bei der ganzen Aufgabenvielfalt zu verlieren.  

Ich versuche, alles in einem Kalender strukturiert vorzuplanen. Es funktioniert dennoch nicht alles alleine. Mein Partner, meine Nanny und meine Mama sind mir z.B. bei der Betreuung der Kinder eine große Hilfe.

Ich bin daher auch nicht sonderlich spontan.

Kalenderplanung und mein E-Mail-Postfach sind dafür das A und O.

Mein E-Mail-Postfach stellt für mich eine Art To-do-Liste dar. Wenn mir Aufgaben einfallen, zu denen es keine E-Mails oder Anfragen gibt, dann schreibe ich mir eine E-Mail und weiß, dass erst, wenn der Posteingang leer ist, ich mit allem durch bin.

Im Betreff schreibe ich ein Stichwort rein und weiß dann auf den ersten Blick, worum es bei der Aufgabe geht.

Seit Jahren widmet sich Fränzi mehr Frauen in Führungspositionen und fördet die notwendigen Veränderungen in der Organisations- und Arbeitskultur.

Was denkst du: Woran liegt es, dass dies noch immer nicht richtig vorhanden ist bzw. wo liegen die Fehler hierbei? 

Der Fehler liegt bei jedem und jeder einzelnen. Das größte Problem ist das Fehlen des Bewusstseins darüber, welche Stereotypen wir im Kopf haben.  

Auch, wie wir handeln wie wir andere BE-handeln. Ich glaube, mit so einem Bewusstsein darüber kann man vieles ändern. Ein anderes Problem sind starre Unternehmensstrukturen, wogegen die Politik ankämpfen muss.  

Ich glaube, der größte Hebel wäre es, wenn sich jede:r einzelne darüber bewusst ist, Veränderung zu wollen und zuerst bei sich selbst anfängt.

Was sind, deiner Meinung nach, die wichtigsten Eigenschaften, um beruflich erfolgreich zu sein?

Authentisch seinBei sich selbst sein

Sich selbst in dem ganzen Wahnsinn, der so geschäftlich um einen herum passiert, nicht zu verlieren. Sich nicht zu verstellen und nicht in irgendwelche Rollen zu schlüpfen, weil dies von einem erwartet wird.

Wer oder was hat dich am meisten beeinflusst/inspiriert in deinem Leben? 

Ich glaube, das war ich selber. Ich bin sehr an mir selbst orientiert.

Ich hatte nie Vorbilder und wollte nie so sein wie jemand anderes. Wenn ich gerne abschalten will, dann höre ich den Podcast von Matze Hielscher „Hotel Matze„.

In seinem Podcast stellt er nämlich sehr spannende Persönlichkeiten vor und da ziehe ich auch ab und zu was für mich heraus.

Fränzi: „Glücklich sein ist für mich der größte Erfolg!“

Fränzi wurde im Jahr 2015 als eine der wichtigsten 25 Frauen der digitalen Zukunft auserwählt und dieses Jahr erschien ihr Buch „Was Männer nie gefragt werden. Ich frage aber trotzdem“.

Die Projekte, die sie von Berlin aus betreut, zeigen deutlich, was der technologische und kulturelle Wandel für Unternehmen und Marken bieten kann.

Heute ist sie Mitglied des Aufsichtsrats von Freenet und der Württembergischen Versicherung. Sie ist Vorstandsmitglied der Allbright Foundation – der Stiftung, die eine Studie über Frauen in Exekutivkomitees veröffentlicht hat.

Fränzi Kühne Aufsichtsrätin

Foto: Tom Wagner

Was gilt für dich persönlich bisher als größtes Erfolgserlebnis? 

Das ist schwer zu beantworten.

Ich habe mich damals vor 6 Jahren wahnsinnig über diesen Award gefreut. Ich freue mich aber auch genauso jede Woche, dass ich auf der Bestsellerliste bin und genauso freue ich mich darüber, ein Unternehmen geschaffen zu haben, das solch einen Bestand hat.  

Was Erfolg für mich aber wirklich bedeutet, ist, sagen zu können: „Ich habe eine Familie, alle sind gesund, allen geht es gut und nebenbei halte ich meine Karriere aufrecht„.

Was war bisher deine größte Niederlage? Wie verarbeitest du Misserfolge?

Mir fällt es total schwer, mich an meine Niederlagen zu erinnern. Wenn du eine große Firma hast, die konstant wächst, dann passieren täglich Fehler und es gibt jeden Tag irgendwelche Niederlagen.  

Beispielsweise haben wir große Kunden verloren. Wir haben Mitarbeiter verloren, dessen Verlust mich getroffen hat.

Wenn Fehler passieren, ärgere ich mich kurz und versuche, immer etwas daraus zu lernen.

Ich beschäftige mich nachträglich nicht viel mit diesen Fehlern. Das ist einfach zeitraubend und bringt einen nicht weiter.

Man muss den Reset-Knopf finden und weitermachen! 

Was hilft dir und wie motivierst du dich, deine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren?

Indem ich gar keine großen Ziele habe

Deswegen fällt es mir nicht schwer, die nächsten Steps aus den Augen zu verlieren. Wie gesagt: Derzeit habe ich einen Zweimonats-Plan, mehr nichtIch bin nicht zielorientiert; viel mehr bin ich von einem Zustand der Zufriedenheit getrieben.

Gibt es Themen, bei denen du dir Fachwissen aneignen bzwdich weiterbilden willst?

Klar! Auf jeden Fall ist ein solches Thema die nie still stehende Digitalisierung.

Aber auch das ganze riesengroße, komplexe Thema Nachhaltigkeit. 

Welche Herausforderungen als Frau hast du während deiner Karriere erlebt?

Ich achte nie auf das Geschlecht eines Menschen

Ich sehe mir den Menschen an. Mir fehlt dieser ‚Geschlechterblick‘ und somit kann ich nicht sagen, ob ich je aufgrund meines Geschlechts vernachlässigt wurde.

Ich empfehle auch jedem, den Fokus auf das Geschlecht abzulegen. Das Geschlecht spielt einfach keine Rolle, sondern der Mensch.

Was würdest du tun, wenn du die Macht hättest, etwas zu verändern?

Ich würde das große Thema der Nachhaltigkeit angehen.

Damit meine ich, die richtigen Knöpfe zu drücken, damit Menschen verstehen, dass wir auf dieser Welt nicht mit unendlichen Ressourcen leben und etwas verändern müssen.  

Was steht bei dir als Nächstes anWas ist dein nächstes große Ding? 

Schöne Frage … Ich weiß es nicht

Dadurch, dass ich vor zwei Monaten mein Buch herausgebracht habe, steht dieses noch im Fokus. Ich befinde mich noch in der Bearbeitungsphase und daher stehen diesbezüglich noch viele Termine an. Danach? Kann ich wirklich nicht sagen.

Vielleicht gründe ich wieder etwasvielleicht fange ich in ein Unternehmen an, vielleicht hole ich die Weltreise mit meiner Familie nach. Wer weiß?

Mit welchem Thema sollten sich unserer Leser:innen derzeit befassen, um sich persönlich weiterzuentwickeln? 

Fränzi: Das ist eine individuelle Frage.

Jede:r muss für sich selbst herausfinden, in welchen Bereichen er/sie sich weiterbilden soll. Zudem schadet mehr Wissen über sind die großen Megatrends – Digitalisierung und Nachhaltigkeit – nie.

Welchen Rat kannst oder würdest du unseren Leser:innen mit auf den Weg geben?

Sei immer bei dir selbst! 

Wie hat Dir das Interview mit Fränzi Kühne gefallen? Hast Du spezielle Fragen, die sie Dir noch beantworten soll?

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